Chinesisch

The Tree in Mitte

Handgemacht, hübsch gemacht: Im The Tree gelingt die zeitgemäße Inventur der chinesischen Küche

Foto: Matthew Fraser Edney

Vielleicht das große Gastro-Interieur-Thema dieses Sommers: Holz in der Hütte. Am besten in seiner ursprünglichsten Form, als Baum. In der Gärtnerei in der Torstraße ist ein Charlottenburger Straßenbaum posthum zu dekorativen Ehren gekommen. Einen Laufkilometer weiter findet sich der Name der verholzten Pflanze über dem Eingang: The Tree. Eine Galerie könnte man meinen, doch dieses hübsche Ding ist ein junges, urbanes Nudelhaus. Mitten im Raum: eine Wanne, deren Boden mit Wasser und weißen Steinen bedeckt ist. Ein paar Grünpflanzen recken ihre Stiele empor. Geäst flankiert die Wanne. Statt gewöhnlichen Tischen und Stühlen gibt es ein Podest an der Wand mit kleinen, geradlinig ausgerichteten Kurzbeintischen, die eine gedrehte Esshaltung nach sich ziehen. Am Fenster könnte man sich im Lotussitz niederlassen. Ja, dieses kleine, zum Lunch wie am Abend charmante Restaurant in der Brunnenstraße ist gewiss das, was man neuerdings „instagramable“ nennt.

Im The Tree wird mit Gewürzen aus der Provinz Sichuan gekocht. Die Nudeln sind haus- und handgemacht, für die mit Fleisch oder Tofu gepeppten Suppen (7,90–8,90 Euro) gibt es hölzerne Löffel. Hinter „Moos“ versteckt sich ein Vorspeisen-Happen mit Spinat und Granatapfelkernen, hinter „Ahorn“ eine der Nudel-Hauptspeisen (7,90–8,50) im Tontopf mit Erbsenpaste, Hackfleisch, Ei, Okraschoten, chinesischen Morcheln, Erdnüssen, Koriander und Sesam. Hübsch angerichtet, erlebt der Gaumen einen Mix aus Rohkost, dezidierten, oft überraschenden Gewürznoten und wunderbaren Nudeln. Passendes trinkbares Soulfood dazu: die selbstgemachten Limonaden. Echte Empfehlung in fußläufiger Entfernung zum allzu trubeligen Weinbergsweg mit seinen ganz ähnlich positionierten Lokalitäten.

The Tree Brunnenstr. 167, Mitte, Tel. 67 96 18 48, Mo–Fr 12–15, 17–22, Sa, So 13–22 Uhr, www.facebook.com/thetree.berlin

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