Bar

Tigerbar in Tiergarten

Links von Panama: ein Abend in der Tigerbar

Foto: Zoe Spawton

Neunzig Prozent eines gelungen kulinarischen Konzepts seien Atmosphäre, die restlichen zehn das Kulinarische. So hat es Ludwig Cramer-Klett, gastronomischer Entrepreneur hinter dem Katz Orange, dem Panama Restaurant und eben der Tigerbar, einmal gesagt. Und vermutlich bewusst in Kauf genommen, dass ihm dieser Satz um die Ohren fliegen könnte. Alleine, auch in der Tigerbar – hübsch inszeniert, aber nicht überinszeniert in einer Remise gleich neben dem Panama Restaurant – kümmert man sich wieder so engagiert und klug um diese zehn Prozent, dass wir nicht mehr über die Atmosphäre dieses gleichsam weltgewandten wie weltentrückten Ortes reden müssen. Lieber sprechen wir von den Austern, die dank des Schaums der Roten Bete vom zeitgeistigen Revival zum aromatischen Ereignis werden (9,50 Euro). Reden von fermentierter Petersilienwurzel, Rauchsellerie und gebackenem Grünkohl (4 Euro). Die kleine Karte trägt die Handschrift von Panama-Küchenchefin Sophia Rudolph. Für das sehr handwerkliche Barkonzept ist wiederum Phum Sila-Trakoon verantwortlich, ehedem Barchef des derzeit geschlossenen Le Croco Bleu. Sila-Trakoon erfüllt (aromatisch wie atmosphärisch) alle klassischen Erwartungen an eine Bar. Aber was danach kommt, das ist wirklich der Rede Wert.
Sous-Vide-Verfahren, fermentiertes oder kalt extrahiertes – zeitgenössische Küchentechniken kommen in der Tigerbar auch ins Glas. Gleichzeitig ist man sich aber nicht zu fein, sich etwa auch um eine nonchalante Bierauswahl zu kümmern. Ruhig unter der Woche vorbeikommen, ab Freitag wird es laut und trubelig. Die Tigerbar hat es scheinbar schon in die Reiseführer geschafft.

Tigerbar Potsdamer Str. 92, Tiergarten, Di–Sa ab 20 Uhr, www.oh-panama.com/tigerbar

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