Essen & Trinken

tip-Winzerbattle in der Shochu Bar

battleEigentlich sind die beiden sehr gute Freunde, und das seit 15 Jahren. Steffen Brahner und Chris­toph Graf haben sich beim Wirtschaftsstudium in Heilbronn kennengelernt. Moderne Winzer sind nicht nur in Sachen Weinanbau Spezialisten. Wie das Schicksal so spielt, kommt Graf aus Schwaben, Brahner aus Württemberg. Das hat regionalpolitischen Zündstoff. Die einen mögen die anderen nämlich gar nicht.

Seit einem Jahr – da hat Steffen Brahner beim Weingut Bürklin-Wolf seinen Job in der Pfalz angenommen – sind die beiden also nicht nur Freunde, sondern benachbarte Winzer und „Mitbewerber“ – wie der eine den anderen nennt. Eine Gemeinsamkeit wie­de­rum – neben dem Friseur: Beide Weingüter sind aus Eheschließungen entstanden. Beim Weingut Reichsrat von Buhl hat in grauer Vorzeit Andreas Jordan, ursprüng­lich ein Hugenotte, Josephine, die älteste Tochter von Franz-Peter Buhl, geheiratet. Bei Bürklin-Wolf, nomen est omen, hat 1875 Herr Albert Bürk­lin Luise Wolf geehelicht. „Liebe vergeht, Hektar besteht“, kommentiert Christoph Graf mit der uralten Winzerweisheit. Mal sehen, wie das mit dem Bestehen von Freundschaften aussieht? Ob nach dem 25. November der eine noch Patenonkel der Kinder des anderen ist.

In das Rennen schicken die beiden Kontrahenten jeweils zwei Weine, Rot und Weiß. Steffen Brahner bringt einen Ruppertsberger Riesling 2008 und einen Pinot Noir 2007 mit. Der Riesling ist ein so genannter Ortsriesling. Klassifiziert werden diese Weine wie im Burgund: Grand Cru, Ortsriesling und Gutsriesling. Seit 2003 hat man auf dem Ruppertsberg angefangen biodynamisch zu arbeiten, 2005 weiter auf die Gesamtfläche von 81 Hektar umgestellt, was nach einer Frist von drei Jahren, also 2008, komplett gelungen ist. „Mit jedem Jahr wuchs unsere Überzeugung, dass der biodynamische der richtige Weg ist. Es geht uns darum, den Wein typischer zu machen, das Terroir deutlich zu machen.“ Das „Künast-Siegel„, das grüne Sechseck, ziert auf dem Etikett jedoch nicht die Weine vom Weingut Bürk­lin-Wolf. „Wir arbeiten als ein­ziger Nicht-Franzose mit Bio du Vin zusammen.“ Nach dem schlagenden Argument gefragt, antwortet Brahner: „Wir sind Vorreiter und Spezialisten, was tro­cke­nen Riesling betrifft, und Pinot Noir ist unsere zweite Leidenschaft.“

Was hat Christoph Graf vom Weingut Reichsrat von Buhl dem entgegenzusetzen? Einen Spätburgunder Jahrgang 2007 und einen Stuck 2008. „“it dem Spätburgunder will ich zeigen, dass deutsche Rotweine durchaus eine bedeutende Rolle spielen können.“ Der Name des Weißweines kommt von Franz von Stuck, der 1895 Professor an der Akademie in München war und unter anderem Wassily Kandinsky und Paul Klee unterrichtete. Er gestaltete 1887 ein Weinetikett. Das wurde 2004 wiederbelebt und ziert nun einen Cuvйe aus Gewürztraminer und Riesling. „Früher hat man zwischen den Riesling auch Gewürztraminer angebaut, um den mineralisch knackigen Geschmack mit dem würzig rosigen des Gewürztraminers abzurunden.“ Übrigens soll dieser Wein sehr gut zu asiatischem Essen passen. Das wird es als Fingerfood von Tim Raue und seinem Team nämlich in der Shochu Bar dazu geben. „Der Ruppertsberger Riesling passt min­destens genauso gut“ – so Steffen Brahner. Na, das kann ja was werden mit der Streitbarkeit dieser Winzer!


Text
: Eva-Maria Hilker

tip-Winzerbattle Shochu Bar, Mi 25.11., Behrenstraße, 72, Mitte, Einlass ab 20 Uhr, Eintritt 35,90 Ђ inkl. Wein, Wasser und Speisen.

Wegen großer Nachfrage und begrenzter Kapazitäten bitte anmelden: Tel. 69 56 61 78 oder E-Mail: [email protected]

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