Essen & Trinken

„Vetisch“ von Clemens Niedenthal

Zugegeben, Essen ist oft auch eine Ersatzbefriedigung. Sozusagen ein Knabbern an den Verhältnissen, da helfen ein paar Kohlehydrate und sowieso viel weißer Zucker schon mal über den Tag. Ein, nein zwei Donuts für den Homer Simpson in uns allen. Essen ist eben immer  oder zumindest immer mal wieder auch: Gier und Verlangen. Weshalb es umgekehrt offensichtlich nicht reicht, auf die dem eigenen Ernährungsprinzip gegenläufige Produkte einfach zu verzichten. Es  geht um den Gestus dieses Verzichts. Reicht es denn nicht, einfach künftig keinen Döner mehr zu essen? Muss es denn gleich ein Vöner sein?
Aber die Veganer machen es uns ja auch zu leicht. Oder anders gesagt: Da machen spätestens auf den zweiten Blick überraschend konventionelle Lebensmittelhersteller komische Ersatzprodukte, über die einfach geredet werden muss. Über vegane Hähnchenschenkel mit mimetisch nachgebildeter Hähnchenschenkelhaut. Über einen gefüllten, aber definitiv nicht gefühlten Truthahn, der sich dann „Vestagsbraten“ nennt. Nein, so etwas hat Soja nicht verdient. Und auch nicht das Wurzelgemüse, dass da in diesem Proteinklops steckt. Noch einmal, es mag gute Gründe geben, kein Fleisch zu essen. Ob das nicht vielleicht sogar die besseren sind, mag ich aus eigener Befangenheit nicht beurteilen. Sich aber das kulinarische Leben mit solchen Ersatzprodukten zu vermiesen, bleibt ein seltsam pietistischer Akt. Schaut her, so erzählt es jeder Bissen, ich verzichte. Dann lieber lustvoll in die Schwarzwurzel beißen.

Mehr über Cookies erfahren