Essen & Trinken

Vollblut-Gastronomin Ruzica Krakan

krakan_c_esther_suave_hipiWir stehen auf der Terrasse, Kreuzbergstraße Ecke Mehringdamm. Ob das alles bis August fertig wird? „Das schaffen wir!“ Ruzica Krakan ist ganz sicher. Sie hat vor ein paar Monaten sehr schnell reagiert, so schnell, dass einige ihrer Mitbewerber das nicht so richtig glauben konnten. Das Kaiserstein stand bei Immobilien-Scout im Angebot und Krakan war die Erste im Rennen um diesen attraktiven Standort in Berlin. Schicksal? Gutes Karma? Glück? Wohl von allem ein bisschen. Doch davor sah es so aus, als ob das Unglück bei der optimistischen Krakan zur Untermiete eingezogen ist. Aufwendige Bauarbeiten am SET’s (Abkürzung Sitzen, Essen Trinken) machten das Geschäft mit der Gastgeberschaft schwer. Die Gäste wussten an manchen Tagen nicht, wo gerade der Eingang ist. Für die Mittagszeit wurde eine Baupause verhandelt, damit der Außenbereich nicht in Staubwolken verhüllt wurde und das Mittagessen nicht zwischen den Zähnen knirschte.

Das SET’s gibt es seit rund drei Jahren in Charlottenburg. Davor hat Krakan als Restaurantleiterin im Borchardt gearbeitet. „Dort habe ich den letzen Schliff erhalten, das gelernt, was man als selbständige Gastronomin braucht.“ Sie hat sich durchgesetzt mit ihren eigenen Vorstellungen von Innendesign und ihrer großartigen Gastfreundschaft. Dann erlebte sie einen persönlichen Tiefschlag. Ihre Partnerin und engste Freundin starb vor einigen Wochen. „Ich wollte unbedingt, dass sie das Kaiserstein sieht und ihre Meinung dazu äußert.“ Sie hat diese Ecke gesehen und für gut befunden. Für Ruzica Krakan war es ein langer Weg nach Kreuzberg. Denn eigentlich lag das Objekt ihrer Begierde in der Potsdamer Straße. Krakan wollte in die ehemaligen Räume der Sparkasse oder in den angrenzenden Altbau des Tagesspiegels. Doch nach anfänglichem Einvernehmen mit dem Vermieter verhärteten sich nach und nach die Fronten. Es gab unterschiedliche Vorstellungen von Mietpreisen.

„Ich habe viel Kreativität aufgewendet, Pläne bereits entwickeln lassen, und der Vermieter tat immer positiv überrascht, was man aus den Räumen machen kann.“ Das quittierte er jedoch mit hohen Mitansprüchen. Heute steht sie auf einer ziemlich ramponierten Terrasse, und drinnen sieht es wild nach Bauarbeiten aus. Doch eines ist nicht zu übersehen: Das wird etwas völlig anderes, als es vorher mal war, als es in Berlin überhaupt schon mal gab. Nicht ganz. Krakan kramt Fotos aus ihrer Tasche. Dort sieht man den Kaisersaal in grauer Vorzeit, Mitte des 20. Jahrhunderts. Hinten ist der Saal mit einem Kreuzgewölbe, es gibt in jedem der zwei Räume Bühnen mit einer Bar – und diese Raumgestaltung nimmt die Bautruppe nun wieder auf. Und plötzlich steht man inmitten eines eindrucksvollen Saales mit imposantem Gewölbe – aus Mauern? Man muss schon sehr genau hinsehen, um die uralte Methode des Nachbaus zu erkennen.

Die Handläufe der Staatsoper liegen in einer Ecke, in der anderen steht das Lampenarrangement aus dem ehemaligen Bauamt der DDR, mitten im ersten Raum ist die Deckenverschalung vom Cafй Moskau gestapelt, daneben alte Dielenbretter – Krakan ist stolz auf ihr Sammelsurium der unterschiedlichsten Stilrichtungen vergangener Zeiten. „Und die Küche steht!“, erklärt sie lachend. Und führt in den einzigen Raum, der, wenn man wollte, in ein paar Tagen in Betrieb genommen werden könnte. Dabei hat die dynamische Gas­tronomin genaue Vorstellungen, was die Küchenrichtung betrifft. Deutsche Küche mit einem besonderen Kick: „Meine Mutter macht zum Beispiel besondere Rouladen, aber mit dem Einfluss ihrer Heimat Kroatien“, so Krakan.

Unterstützt wird sie von Markus Herbicht, stadtbekannter Küchendirektor, der eine eigene Kochschule betreibt. Er wird mit seinem Know-how diese Kreuzberger Ecke kulinarisch nach vorne bringen. Und wie soll das alte Kaiserstein künftig heißen? Ö, ja einfach Ö. Diese Frau liebt eben Kürzel, was dahinter steckt, das wird im August geklärt.

Text: Eva-Maria Hilker

Foto: Esther Suave/HIPI

Kaiserstein Mehringdamm 80, Kreuzberg

SETS Schlüterstraße 36, Charlottenburg, Tel. 56 73 87 97, www.setsberlin.de, Mo-Sa 8-22 Uhr, So+Feiert. 10-20 Uhr

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