Essen & Trinken

„Wasser Marsch“ von Clemens Niedenthal

Ich weiß nicht, wie oft Irene Köhne auswärts isst. Abgesehen vom Mittagstisch in der Kantine des Abgeordnetenhauses von Berlin, wohin es die Verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Frak­tion von Berufs wegen verschlägt. Davon aber, dass Berliner Gastro­?nomen gerne Wasser verkaufen, musste die Lokalpolitikerin erst von Dritten erfahren. Es geschah am Potsdamer Platz. Einem Ort, an dem es zwar keine Berliner gibt, dafür aber jene Spezies, von der wir Berliner leben: Touristen. Ein solcher sollte sich zum Wein also ein Mineralwasser kaufen. Das ist blöd. Mindestens so blöd ist es, dass eine Verbraucher­politische Sprecherin noch nicht mitbekommen hatte, dass man Berliner Wasser in Berliner Restaurants nicht per se auf den Tisch gestellt bekommt. ­Umsonst. Dabei schmeckt unser Leitungs­wasser sogar ausnehmend gut. Findet nicht nur Irene Köhne. Billy Wagner filtert es und stellt es in formschönen Tonflaschen gratis auf die Theke seines Speise­lokals Nobelhart & Schmutzig. Als passenden Begleiter zu seinen 80 Euro werten Zehn-Gänge-Menüs. Womit zwei zentrale Dinge gesagt wären: Erstens sollten wir Leitungswasser als kostenloses, aber nicht minder wertvolles Lebensmittel wertschätzen. Und zweitens sollten die Preise in der Gastronomie so ehrlich kalkuliert sein, dass sie gar nicht erst über überteuertes Tafelwasser quer­-?subventioniert werden müssen.

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