Essen & Trinken

Wein und Sommer

billy_wagner_c_daniela_friebel_hipiWenn jemand einem den Mund wässrig bzw. weinrig machen kann, dann ist das Billy Wagner. Er ist ein wandelndes Lexikon von Weinbegrifflichkeiten, von romantischer Naturprosa und standfesten Trinksprüchen. Der Mann kam aus Düsseldorf in die Weinbar Rutz. Gleich am Anfang war klar: Das ist kein üblicher Weinkellner, kein phrasendreschender Routinier. Und schon mäkelt er ein wenig über den Begriff Sommerwein. „Wein muss immer trinkbar sein.“ Gerade die, die ganz offensiv auf Sommerweine machen, die vordergründig fruchtig, säurebetont und moussierend daherkommen, fallen bei Wagner durch. Ihm geht es um Stilistik. „Du willst als Winzer am Anfang zeigen, dass du alles kannst.“ Das kann dazu führen, dass die ersten Jahrgänge ein Rundumschlag sind. Ob das der Weintrinker goutiert? Wenn dann nach einiger Zeit beim Winzer die Routine kommt, dann werden Weine in bestimmte Richtungen ausgebaut, entwickelt – das meint Wagner mit Stilistik. Und die erkennt man dann überall auf der Welt. „Nicht zu laut, nicht aufgesetzt, einfach unaufgeregt. In Balance, sehr geerdet.“

Und Trinkigkeit ist ein Begriff, den Wagner sehr betont. „Dass du immer mehr trinken möchtest“, so die wagner’sche Definition von Trinkigkeit. Und schnell ist der Beweis, ein Glas Grauburgunder vom Weingut Holger Koch, auf dem Tisch. Kühl fließt der Weißwein über Zunge und Gaumen, in der Textur glatt und kühl wie Porzellan, und eine feine Frucht breitet sich im Mund aus. Während Wagner noch einmal über die Unaufgeregtheit diskutiert, trinkt man schon den zweiten Schluck – um noch einmal dieser feinen Stilistik nachzuspüren. Dieser Wein, wie übrigens ein paar weitere Empfehlungen, gehören zu den Weinrebellen. Diese werden exklusiv in Zusammenarbeit mit Billy Wagner und der Weinbar Rutz produziert. Dann gibt es auch einen Roten, weniger rebellisch – der darf aber „nicht zu marmeladig sein, muss nicht in Barrique ausgebaut sein und nicht zu viel Informationen beinhalten“. Und die Temperatur muss stimmen, da bringt die Faustregel von wegen Zimmertemperatur nichts. „15 Grad!“, und sogar noch ein paar Grad kühler, denn der Wein wird im Glas und in der sommerlichen Abendsonne schnell zu warm. Ein Schluck Blaufränkischer vom Weinbau Uwe Schiefer – und man erinnert sich an das Gefühl und den herrlichen Geschmack aus der Kindheit: den Mund voller Kirschen und Kerne. Und genau das meint Billy Wagner mit Stilistik und klarer präziser Frucht.

Text: Eva Maria Hilker

Foto: Daniela Friebel / HIPI

BILLY WAGNERS EMPFEHLUNGEN:

2010 Rutz Rebell Riesling trocken, Weingut Clemens Busch, Mosel, 0,75 l zu 14 Ђ

2010 Rutz Rebell Grauburgunder Badischer Landwein Weingut Holger Koch, Baden, 0,75 l zu 26 Ђ, Bezug: Weinbar Rutz Chauseestraße 8, Mitte, www.weinbar-rutz.de, Tel. 24 62 87 60

2010 Weißer Burgunder Qualitätswein trocken Weingut Ansgar Clüsserath, Mosel, 0,75 l zu 8,95 Ђ

2011 Riesling Qualitätswein trocken Weingut Battenfeld-Spanier, Rheinhessen, 0,75 l zu 9,50 Ђ

2010 Eisenberg Blaufränkisch Weinbau Uwe Schiefer, Südburgenland, Österreich 0,75 l zu 16 Ђ, Bezug: Weinladen Schmidt
www.weinladen.com, Tel. 20 00 39 50

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