Essen & Trinken

Weinbar mit Raritäten: Die Cordobar in Mitte

Trinkkultur

Man kann ihn sich gut vorstellen, jenen weinseligen Abend vor einigen Jahren, an dem sich zwei Männer im besten Alter zu vorgerückter Stunde in Zukunftsfantasien verloren: Eine Bar müsste man haben, in der der Wein die Hauptrolle spielt. In der man seine gesammelten Schätze mit anderen teilen und sie so für Qualität begeistern könne. „Da hatten wir schon einige Flaschen geleert“, erinnert sich Gerhard Retter, der viele Jahre Sommelier im Lorenz Adlon im Hotel Adlon war, heute ein Gasthaus im schleswig-holsteinischen Lütjensee führt und nun als „Teilzeitberliner“ einer der vier Betreiber der neuen Cordobar in Berlin-Mitte ist.
Am Anfang ging es ihm und seinem Freund Christof Ellinghaus, Musikfans als Leiter des Labels City Slang gut bekannt, darum, die eigenen gut gefüllten Weinkeller zu verschlanken. Zahlreiche Raritäten hatten sich über die Jahre angesammelt, zu schade, um sie noch länger verstauben zu lassen. Später fanden sie mit Jan Ole Gerster, der mit seinem Film „Oh Boy“ gerade sechs Lolas beim Deutschen Filmpreis abgeräumt hat, und dem Wiener Kult-Sommelier Willi Schlögl zwei ebenso engagierte wie leidenschaftliche Weinfreunde – und das Projekt Cordobar nahm Gestalt an. Heute warten in der Weinbar rund 800 Raritäten darauf, geknackt zu werden. Die Preise gehen weit auseinander, von 30 Euro die Flasche für begehrte Restbestände bis hin zu fast zweitausend Euro für seltene Schätze.
Die meisten der Weintrinker jedoch, die die Cordobar ansteuern, werden sich wohl mit weniger elitären Tropfen zufrieden geben. Rund 40 deutsche und österreichische Winzer gehören zum festen Stamm der Zulieferer, Weingut Krutzler etwa aus dem Burgenland, die Pittnauers vom Neusiedlersee oder Paul Weltner aus Franken. „Was wir hier verkaufen, muss uns selber schmecken“, sagt Gerhard Retter. Deshalb bieten sie zusätzlich in der Rubrik „Cordobar & Friends“ eine wechselnde Auswahl von Weinen an, unabhängig ihrer geografischen Herkunft.
Für die Küche in der Weinbar ist Lukas Mraz verantwortlich, 23-jähriger Spross einer bekannten Wiener Gastrofamilie. Einfache Alltagsküche steht auf der Karte, aber immer mit einem gewissen Pepp. Räucheraal mit Mango und Pak Choi etwa, ein Tafelspitzwrap oder die Blutwurstpizza mit Rote Bete, die eigentlich ein Fladenbrot ist.

Text: Marion Hughes

Cordobar, ?Große Hamburger Straße 32, Mitte, ?Tel. 27 58 12 15, www.cordobar.net ?(noch in Arbeit), täglich 12–2 Uhr, ?Küche: 12–15 Uhr

Mehr über Cookies erfahren