Essen & Trinken

Weinbar Thal in Charlottenburg

Weinbar Thal in Charlottenburg

Die Konzession zwang zu Konzessionen. Weil der Vormieter (einer Stangentanzbar) entgegen anderer Aussagen nämlich gar keine hatte, musste dieses Thal in den ersten Monaten seiner hoffentlich noch langen Geschichte bereits um 22 Uhr schließen. Nun endlich öffnet die Weinbar bis um Mitternacht. Und dennoch ­sollte sich die eingeschränkte Verfügbarkeit dieses 38 Quadratmeter kleinen, großen Ortes rückblickend als Glücksfall erweisen: Sie ­lenkte die Aufmerksamkeit auf jenen transitorischen Moment zwischen Arbeit und Abendgestaltung, der in mediterraneren Gefilden eben Apйro heißt und der nun also in Charlottenburg angekommen ist.
Man sollte also ruhig schon um 18 Uhr vorbeischauen. Sollte einen Happen essen, wie man es vielleicht aus Venedig kennt. Zumal das Thal ja seinen Namen (und viele der angebotenen Weine und Produkte, den Käse, den Schinken, die Wurst) von einem Tal hat, dem Valle d’Agno im Hinterland Venetiens. Wilder Brokkoli, auf Holzfeuer geräuchert, oder Polpettes von der Schweineschulter auf Kaperncreme, tolle Sachen kommen aus der ganz, ganz kleinen ­Küche. Man bestellt sich einen oder zwei der kleinen Gänge, ordert dazu ein, zwei Gläser Wein (­offene Weine ab 4 Euro) und übt sich in einer nonchalanten Lässigkeit, die hierzulande, ­gerade in der Esskultur, kaum selbstverständlich ist.
Der Südtiroler Sommelier Michael ­Neunhäuserer, Koch Adrian Held und Philipp Deutsch, der lange bei Viniculture in der Grolstraße weinberatend tätig war, sind die drei Köpfe und Gesichter hinter diesem Thal. Ausgewiesene Profis sind sie alle. Aber darum geht es nur nebenbei. Es geht um die Atmosphäre, geht um das Gefühl, das dieser Ort und seine Protagonisten vermitteln. Eine Entdeckung, ob nun des Nachts oder am späten Nachmittag.   

Text: Clemens Niedenthal

Foto: Lena Ganssman

Weinbar Thal Wielandstr. 38, Charlottenburg, Tel. 54 71 05 51,?Mo–Sa 17–24 Uhr, www.thalberlin.de?

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