Essen & Trinken

Wenn Sterne verlöschen

Berlin gehen die Sterneköche abhanden. Naja, ich gebe zu, dass ist etwas zugespitzt formuliert, denn natürlich haben wir und bleiben hier auch weiterhin ­exzellente Köche in der Stadt, deren Restaurants der Guide ­Michelin mit einem oder zwei Sternen ausgezeichnet hat. Aber immerhin haben zwei der Besten in den vergangenen Monaten nun nicht gerade den Löffel (man entschuldige hier das Wortspiel), doch zumindest die Schlüssel zum Restaurant abgegeben, um mal bildlich zu bleiben. Michael Hoffmann hat im Februar sein Margaux geschlossen und Stefan Hartmann wird es ihm Mitte April mit dem Hartmanns gleichtun.

Was geht da vor? Sind die Köche dem Druck nicht gewachsen, den so eine Auszeichnung mit sich bringt? Das große Zittern zum Ende des Jahres, wenn die Sterne verteilt werden? Die überhöhte Angst, ob sie auch den Standard und damit die Gunst der Tester bewahren konnten, denn kaum etwas wiegt schwerer in der Hochgastronomie als der Verlust eines Michelin-Sternes? Oder haben sie einfach die Nase voll von all dem Drumherum, das zu ­einem Sterne­restaurant gehört? Wollen sich befreien vom finanziellen und persönlichen Druck, wollen einfach nur
noch das tun, wozu sie einst angetreten sind: gut kochen?

Stefan Hartmann hat die Gründe für seine Entscheidung deutlich formuliert: „Ich möchte endlich wieder richtig glücklich sein.“ Und auch Michael Hoffmann wirkte befreit, nachdem er das Ende­ des Margaux verkündet hatte. Allein sind die beiden Köche nicht mit ihren Entscheidungen, dokumentiert sich hier doch eine Tendenz, die man auch in anderen Bereichen des Lebens beobachten kann: die Hinwendung zum Einfachen und die damit verbundene Besinnung auf die wahren Werte des Lebens.

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