Länderküche

Westafrikanische Restaurants in Berlin

Gegessen wird mit den Fingern. Auch sonst ist die authentische Küche Westafrikas selbst im multikulinarischen Berlin noch fremd. Auf der Suche nach einem anderen Geschmack

Foto: FA Schaap
Foto: FA Schaap

Das Ebe Ano ist brechend voll. Neu ankommende Gäste müssen sogar einen Moment an der Tür warten, bis sie einen Platz finden. Kein Wunder, denn der Name des nigerianischen Soulfood-Restaurants unweit der Potsdamer Straße bedeutet übersetzt „place to be“. „Was bringt die Menschen zusammen?“ fragt Valentine Nnamani, der das Ebe Ano vor sieben Jahren eröffnete. „Musik zum Beispiel. Und wenn es nicht Musik ist, die uns zusammenbringt, dann ist es der Sport. Und wenn nicht Sport, dann eben Essen! Hast Du gutes Essen auf dem Teller, egal was, dann werden die Leute neugierig, so kommst Du automatisch mit Deinem Tischnachbarn ins Gespräch.“

Antonella Mazzi, Nnamanis italienische Partnerin, flitzt zwischen Küche und Restaurant hin und her, serviert Gerichte und erklärt all jenen, die noch nicht vertraut sind mit der nigerianischen Küche, nebenbei die Speisekarte. „Reis, Gemüse und Kochbananen sind ein guter Anfang“, empfiehlt sie, „dazu kann man zwischen Egusi und zerstampften Yams wählen.“
Die zerstampften Yams, die auch Fufu genannt werden, sind ein traditionelles Gericht in der westafrikanischen Küche. Fufu hat eine ähnliche Konsistenz wie Hefeknödel, nur fluffiger, mit einer samtigen Note auf der Zunge. Egusi wiederum sind die Kerne der Egusimelone, die im Ebe Ano zusammen mit verschiedenen Blattgemüsesorten zu einem pikanten Eintopf gekocht und ebenfalls mit Fufu serviert werden. Im ghanaischen Restaurant African Kingdom in Moabit wiederum isst man Fufu in einer Erdnusssuppe, die vor dem Servieren mehrere Stunden auf kleiner Flamme geköchelt hat.

Fufu dient aber nicht nur als Beilage für Suppen und Eintöpfe, es ersetzt auch das Besteck. Ähnlich wie bei asiatischen Essstäbchen braucht man auch für die Kunst des Fufu ein gewisse Fingerfertigkeit. Für eine handliche Portion wird ein Stück aus dem festen Teigballen gerissen, leicht zwischen den Fingern gerollt und in die Suppe gedippt. Beim Egusi-Eintopf fungiert das Fufu wie eine Zange, mit der das Gemüse gegriffen wird. Der Kontakt von Finger und Speisen beflügelt – ähnlich wie in der äthiopischen Küche – die Sinne.

Im African Kingdom stellt der Besitzer Solomon Paa einen kleinen Korb mit Zahnstochern, Salz, Maggi, einem Spender mit Handdesinfektionsmittel und einer Schale Wasser auf den Tisch. Das Set gehört zum festen Inventar in den meisten westafrikanischen Restaurants: Salz und Maggi zum Nachwürzen, der Rest zur Reinigung von Händen und Zähnen. Paa spricht besonders gerne über die heilende Wirkung seiner Gerichte. Die Shito beispielsweise, einer Chilisoße, die er stundenlang einkocht, bis sie ganz schwarz wird, ist eine verdammt scharfe Angelegenheit. Paa behauptet, sie reinige das Blut und fördere die Verdauung. „Wenn Du Fieber hast und Shito isst“, lacht er, „kannst du den Weg zum Arzt sparen.“

Westafrikanisches Essen wird traditionell mit viel Chili und anderen scharfen Gewürzen zubereitet. Für Berliner Gäste müssen einige Gerichte dann aber doch variiert werden. So werden die Chilisoßen separat serviert, auch Fleisch und Fisch werden nicht in den Eintöpfen eingekocht, sondern später beigefügt. Die große Herausforderung der westafrikanischen Küche besteht jedoch in der Beschaffung der Originalzutaten „Die meisten meiner Zutaten besorge ich mir aus Afrika,“ erklärt Paa.
„Ich glaube, viele Leute kommen erst über das Essen mit neuen Kulturen in Berührung“, sagt Pamela Owusu-Brenyah. Sie selbst, in Hamburg geboren, erinnert sich, dass sie als Kind kein afrikanisches Essen mochte. Erst als sie einige Jahre lang in Ghana lebte  fasste sie den Plan, diese Küche mit anderen zu teilen.

Im vergangenen Oktober war es soweit. Owusu-Brenyah organisierte das erste Berliner African Food Festival. Die Berliner Foodies hatten die Wahl zwischen Jollof-Reis mit Bohnen und bissfest frittierten Kochbananen,  Afritos, einer Art afrikanischem Burrito, Falafel mit Erdnuss- und Mangosoße und südafrikanischen Bunny Chows, Pasteten gefüllt mit Curryhühnchen oder -gemüse. Gegessen wurde dicht gedrängt an langen Holztischen – eine echte Gemeinschaftserfahrung.
Owusu-Brenyah, die nebenher auch in Berliner Clubs auflegt, glaubt, die afrikanische Musik habe einen entscheidenden Anteil an der frisch entfachten Liebe zum afrikanischen Essen. Und ganz von der Hand zu weisen, ist ihre Einschätzung nicht: Betritt man in Berlin ein westafrikanisches Restaurant, begrüßt einem höchstwahrscheinlich ein Mix aus nigerianischen Nollywood-Filmen und Youtube-Videos afrikanischer Clubmusik, die im Hintergrund auf Flachbildschirmen laufen.

Text: Olufunke Moses

Ebe Ano Pohlstraße 52, Tiergarten, www.ebe-ano.de

African Kingdom Siemenstraße 3, Tiergarten, www.africankingdom-berlin.de

African Food Festival www.facebook.com/africanfoodfestivalberlin

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