Kommentar

„Wie bestellt“ von Clemens Niedenthal

Jens Spahn ist der Appetit vergangen. Ihm, so erzählte er der Osnabrücker Zeitung, „geht es zunehmend auf den Zwirn, dass ihn manchen Restaurants die Bedienung nur Englisch spricht“. Auf diese, so der CDU-Politiker wörtlich, „Schnapsidee käme in Paris niemand“.

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Das hat vermeintlich gesessen. Da packt einer, der bis dato nicht unbedingt als Gourmet und (Ess-)Kulturfreund aufgefallen ist, also die Mutterstadt der Haute Cuisine aus, um den Status Quo des guten Geschmacks zu verteidigen. Gegessen werde, wenn schon nicht mehr unbedingt deutsch, so doch zumindest auf deutsch. Und ja, Essen ist immer auch Kommunikation. Wenn ein Restaurant um neue Erfahrungen bereichert, was glücklicherweise in Berlin immer häufiger geschieht, wäre es auch schön, wenn möglichst viele Menschen darüber miteinander reden könnten. In vielen Zungen. Nicht, dass sonst selbige ganz ungewollt auf dem Vorspeisenteller landet. Nur: Ist es Jens Spahn darum gegangen? Ihm ging es um den Wahlkampf. Und um konservative Ressentiments. Wobei vermutlich einkalkuliert war, dass das Kopfnicken gerade von jenen kommt, denen es ohnehin nicht um neue Erfahrungen geht. Weder mit Speisen, noch mit Menschen. Klar mag einem mancher direkt aus Brooklyn importierter Laden arrogant, ja ignorant vorkommen. Nur: Ignoranz ist für einen Wirt vielleicht geschäftsschädigend. Ein ignoranter Politiker aber hat das Wesen seiner Aufgabe nicht begriffen.

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