Essen & Trinken

Zehn neue Bars der Stadt

bijouBijou Bar Monbijouplatz 1, Mitte

In dem schmucken Hinterzimmer erwartet die Barfly eine ambitionierte klassische Bar mit Zigarrenangebot im Stil eines britischen Herrenclubs. Nach dem Ausstieg von Jesko Klatt war die Bar eine Weile geschlossen, nun hat sie – ein wenig ummöbliert und neu dekoriert – wieder eröffnet. Nach wie vor stehen mit Steffen Zimmermann und Andreas Künster echte Profis hinter dem schweren Tresen, die das umfangreiche, hochwertige Spirituosen-Sortiment souverän verwalten. Sie gehen ambitioniert zur Sache und beherrschen Klassiker wie den Martini-Cocktail – sehr schön in der Deluxe-Version mit Tanqueray No. Ten Gin – ebenso wie Eigenkreationen а la „Hattu Möhrchen“. Nur an Details wie griffbereiten Snacks hapert es noch ein wenig.

Booze Bar Boxhagener Str. 105, Friedrichshain

Die Boxhagener Straße in Friedrichshain beheimatete in den letzten Jahren zahllose Cocktail-Bars ohne Format. Diese wichen unlängst Pizzerien und Burger-Buden. Dazwischen liegt die Booze Bar, deren Aufsteller den Vorbeiflanierenden deutlich macht, was die Bar nicht bietet: „Keine Shisha, keine Happy-Hour, no shit.“ Stattdessen: „betreutes Trinken.“ Dabei handelt es sich um ein Versprechen, das sich rasch in Form eines freundlichen Barmanns und der Frage, wonach der Sinn stehe, erfüllt. Zwar existiert eine Standard-Karte. Jedoch empfiehlt sich der Blick darauf nur im Falle des mangelnden Willens zum Experiment. Ansonsten reicht die Beschreibung des Wunsches für eine Aromen-Explosion. Das gilt auch für alkoholfreie Cocktails, die in anderen Häusern gern stiefmütterlich behandelt werden. So entzückt der „Apfelstrudel“ mit einer fruchtigen Note und leichter Säure, die durch das dezente Vanille-Aroma konterkariert wird. Inmitten der gastronomischen Wüstenei der westlichen Boxhagener Straße steht die Bar seit zwei Jahren für kontinuierliche Qualität im modernen Design.

Freudenreich Wildenbruchstr. 68, Neukölln

Donnerstag, 23 Uhr. Vorbei an Burger essenden Pubcrawl-Engländern und schnieken Schwedinnen im Blouson geht es die Sonnenallee hinunter. Vor einer minikleinen Bar dann ein Pulk von amüsiert gickernden, sich zuprostenden Nachteulen. Manche mit Saxophon, andere einfach nur mit Kippe in der Hand. Perfekt! Rein und gleich an den wuchtigen Tresen mit viel Schnickschnack-Schabernack. Michi, passionierter Barmann, empfiehlt den Chabeau, eine Eigenkration aus „rechtsdrehenden Milchsäuren“ und natürlichen Fruchtauszügen namens Chabeso, dazu eine Spirituose der Wahl und frisches Zitronengras. Nicht schlecht. Daran nippend steigt man eine enge Wendeltreppe hinab in den Berliner Untergrund. Ein Durchgangszimmer, noch eins, schließlich eine wuchtige Tür: dahinter ein Raum mit Tischtennisplatte, brechend voll. Auf den durchgesessenen Sofas flirtende Franzosen, auf Bänken und Traversen ein paar neuköllnweit bekannte Barhocker mit dem Blick auf verführerisch mit den Hüften schwingende Frauen. Einsatz, Rundlauf, Finale, Punkt.

Galander Stuttgarter Platz 15, Charlottenburg

Hinter dem Schaufenster eines ehemaligen Rotlicht-Lokals findet sich seit Juli 2013 die neue Bar von Dominik Galander, der sich bereits mit einem Etablissement in Kreuzberg als Cocktail-Connaisseur bewiesen hat. In den gediegenen Ledersesseln lümmeln sich junge Menschen, die vorzugsweise Englisch oder Französisch sprechen, es wird heftig geraucht. Mit den dunklen Holzvertäfelungen, der goldenen Strukturtapete und dem riesigen Kronleuchter lebt der Jugendstil wieder auf; sollte in diesem Moment Max Reinhard hereinspazieren, würde man sich nicht wundern. Was noch fehlt, ist ein rumhaltiges Getränk, süß, aber nicht zu wuchtig. Die nette Bedienung empfiehlt den La Ludine für neun Euro, dessen wohliges Aroma fast schokoladig daher kommt und zum Ambiente passend in einem schweren Kristallglas serviert wird. Raffiniert: Auf einem großen Eiswürfel ruhen Ingwer-Raspeln, die man nicht mittrinkt, die aber den alkoholreichen Drink mit ihrem säuerlich-scharfen Aroma angenehm auffrischen. Das Glas will geleert sein, bevor das Eis schmilzt. Wir lehnen uns zurück in die Polster, altmodischer Jazz säuselt im Hintergrund, die Beleuchtung ist auch zu später Stunde noch wohlmeinend. Es ist schön hier. Noch ein Absacker gefällig? Warum nicht, was interessieren uns schon heute die Falten von Morgen.

immergutImmertreu Christburger Straße 6, Prenzlauer Berg

Zwischen verschlafenen Hauseingängen fällt die Bar mit Sichtschutz und einer unscheinbaren Holztür kaum auf. Wer den Klingelknopf betätigt, betritt im Anschluss eine Welt, die mit der schwunglosen Atmosphäre des Straßenzuges nichts gemeinsam hat. Die roten Vorhänge vor der Fensterfront erinnern an „Twin Peaks“. In David Lynchs Kultserie markieren Samtvorhänge den Übergang in eine andere Sphäre mit guten Geistern in Form von hageren Riesen. Diesem Bild entspricht der groß gewachsene Barkeeper, der aus einem vermeintlichen Nichts auftaucht und eine Schale Nüsse und Wasser reicht. Das Getränk besticht mit einer dezenten Gurken-Note, das Glas ist gekühlt: Details, die den Unterschied ausmachen. Die Drinks verstehen sich als „Vintage Cocktails“. Dabei handelt es sich jedoch nicht um den Trend, gemixte Getränke in Flaschen zu lagern, um ein reiferes Aroma zu erreichen. Stattdessen beschreibt die Bezeichnung das Bekenntnis zum Retro-Drink ohne jegliches Chichi. Ob Viking Gimlet oder Red Snapper (der hier mit einer besonders pikanten Chili-Note kommt): Statt auf bunte Phantasienamen oder aromatische Experimente setzt die Bar auf bekannte Formate und serviert diese in hochwertiger Qualität. Auch Dank der unaufgeregten Gäste: Ein idealer Ort, um einen hektischen Tag vergessen zu lassen.

Le Croco Bleu Prenzlauer Allee 242, Prenzlauer Berg

Das Maskottchen im Le Croco Bleu ist: ein lebensgroßes blaues Krokodil. In seiner Kuriosität bricht es die brachiale Architektur der ehemaligen Industrieanlage auf Bötzow, gibt der Bar etwas Verspieltes. Tierisch geht es auch bei den Cocktailkreationen zu. Der „Frog“ zum Beispiel ist eine Mischung aus niederländischem Premiumvodka Ketel One und Оle Four Limited Edition Sake. Beides Top-Marken mit besonderem Charakter. Ketel One gilt aufgrund des äußerst langsamen Destillationsverfahrens als überaus zarter Vodka. Оle Four Sake wird von Sake-Meistern in Japan nach traditionellen Regeln und aus seltenen Reissorten gebraut und besticht so durch unvergleichliche Geschmacksnuancen. Dazu kommen Gurken, getrockneter Ingwer und Fever Tree Ginger Beer, das aus Ingwer und Quellwasser gebraut wird. Kein Geringerer als Gregor Scholl, bekannt aus Berliner Kultinstitutionen wie Paris Bar und Rum Trader, zeichnet gemeinsam mit seinem Barchef Michael Hanke verantwortlich für dieses, in der Hauptstadt bisher einmalige Getränkerepertoire.

Limonadier Nostitzstraße 12, Kreuzberg

Vergleichsweise früh beginnt sich die schmucke Bar im Hochparterre eines Kreuzberger Altbaus zu füllen: von 19 bis 21 Uhr ist Happy Hour. Schnell ist der Tresen, hinter dem ein souveränes Zwei-Mann-Eine-Frau-Team agiert, besetzt. Und auch an den kleinen Tischen vor dem indirekt beleuchteten, unverputzten Mauerwerk haben sich erste Bargänger niedergelassen. Der Champagner ist gut und bezahlbar, doch in jedem Falle sollte man die Mixgetränke probieren. Die Karte beschränkt sich bewusst auf eine eher überschaubare Anzahl hochwertiger Drinks. Diese jedoch werden nach allen Regeln der Barkeeperkunst geschüttelt: der Martinez etwa, gewissermaßen ein Urahn des Martini Cocktails. Klassiker wie der Whisky Sour – auf Empfehlung der sympathischen Barkeeperin mit Eiweiß für das vollere Mundgefühl angereichert – stehen nicht auf der Liste, werden aber je nach Wunsch in den verschiedensten Varianten serviert.

Mezcalerнa La Perla Belforter Straße 22, Prenzlauer Berg

In Mexiko ist der Agavenschnaps Mezcal das Getränk der Bauern, das traditionell auch als Freundschaftsangebot getrunken wird. In Deutschland kannte man es bisher weniger. Die Mezcalerнa La Perla bietet Mezcal-Sorten aus 30 verschiedenen Agavenpflanzen an und hat damit in Berlin das größte Angebot diesbezüglich. Für den Hunger werden in der Küche klassisch mexikanische Speisen gezaubert.

Weiterlesen: Frauen in der Bar sind gern gesehen – vor dem ­Tresen. Dahinter haben
die Barkeeperinnen noch immer mit den Vorurteilen ihrer männlichen Gäste
und häufig auch ihrer Kollegen zu kämpfen.

Stue Bar Drakestraße 1, Tiergarten

Mehr als 400 Weine aus Spanien, Deutschland und Österreich, ausgesucht von Marian Henss, dem Sommelier des Das Stue Hotels, stehen auf der Karte der Stue Bar. Wer den Abend lieber bei einem guten Whisky, Cognac oder Sour ausklingen lassen möchten, ist in der Bar ebenfalls an der richtigen Adresse. Freitag und Samstag legen DJs auf.

The Antlered Bunny Oderstraße 7, Friedrichshain

Barchef Toni Galea ist ein Cocktailbesessener. Er schöpft aus einem breiten Erfahrungsschatz, den er sich auf Stationen hinter Tresen in London und Melbourne erarbeitet hat. Starke Drinks sind sein Steckenpferd. Im The Antlered Bunny sind beispielsweise mehrere Whiskeys und Wermuthsorten mit Campari, Absinth und dem hausgemachten Colasirup vermischt – Galea legt Wert auf selbst gemachte Liköre und Sirups und hat ein Faible für noblen Trinkgenuss in formschönen alten Gläsern. Unaufgeregt, beinahe meditativ jongliert er Hochprozentiges, Fruchtspiralen und glasfüllende Eisquader in die wuchtigen Tumbler. Zu den edlen Tropfen werden Austern und selbst gemachte Cracker mit verschiedenen Käsen und Feigenhonigsenf gereicht.

Foto: Kai von Kotze (Mitte)

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