Essen & Trinken

Zenkichi in Mitte

Zenkichi in Mitte

Den Perfektionismus, den Produktfetischismus, das Unbedingte – also den ganzen superausgefeilten Wahnsinn, der die japanische Küche so faszinierend macht, kann man wahrscheinlich nur in Japan wirklich erleben. Dort fiele es einem Sushimeister ja nie ein, eine Nudelsuppe zu kochen. Das macht ja der Ramen-Meister. Und der würde niemals Reis kochen.
Im Zenkichi sieht es ziemlich nach Japan aus. Was schon mal ein guter Anfang ist. Die kleinen, durch Rollos abgetrennten ­Boxen sind typisch Izakaya, japanisch für Kneipe, wo zum Bier oder zum Sake kleine, herzhafte Speisen serviert werden. Die dunklen, lackierten Steine und vor allem die Lage im Souterrain sind eher in der gehobenen Gastronomie üblich. Das Beste ist: Beides kann das Zenkichi kulinarisch bedienen.
Typisch Izakaya sind kleine Gerichte wie die Miso Auster, die so salzig-umami schmeckt, dass man gleich noch ein Kirin Bier ordern möchte (Weine gibt es im Zenkichi gar keine, dafür aber gleich drei unterschiedliche Sake-Menüs). Oder das großartige Shiso Tempura – das geschmacklich ziemlich temperamentvolle Blatt mit robusten Bitternoten ist in einem knusprigen Teigmantel frittiert. Wer es eleganter mag, ordert  das achtgängige Omakase-Menü ?(65 Euro), dessen Höhepunkt der schwarze Kabeljau in Misomarinade ist. Einen Einblick in die japanische Detailgenauigkeit gibt wiederum die fantastische Rice Bowl. Der Reis ist nur so weit gewärmt, dass die Gelbflossenmakrele darauf nicht nachgart. Das muss man erstmal so punktgenau hinbekommen. Das perfektes ­Restaurant, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden.   

Text: Felix Denk

Foto: Stefan Kuehne

Zenkichi Johannisstraße 20, Mitte, Tel. 24 63 08 10, Di-Sa 18-23 Uhr, www.zenkichi.de

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