Essen & Trinken

„Ziemlich reserviert“ von Clemens Niedenthal


Heißhunger ist eine tolle Sache. Also, nicht unbedingt morgens um Viertel nach drei. Obwohl, manchmal gerade dann. Ich meine den gepflegten Heißhunger am früheren Freitagabend. Also die Lust, mal wieder gut essen zu gehen. In diesem tollen Restaurant am Kanal, das jetzt 16 Gault-Millau-Punkte hat. Oder bei diesem netten Italiener am Platz mit dem familiären Vier-Gänge-Menü. Meinetwegen auch in der Punkrock-Pizzeria. Nein, wer freitags um fünf auf die Idee kommt, am Abend noch gut essen zu gehen, begibt sich auf eine Reise nach Jerusalem. Das kulinarische Berlin ist ausgebucht. Irgendwo noch freie Plätze? Und wenn ich vielleicht in einer Stunde wiederkomme? Das freut einen. Einerseits. Bleibt doch das Gastgewerbe auch bei vollem Haus ein schweres Geschäft. Sodass man jedem guten Gastgeber diesen Andrang von Herzen gönnt. Und das nervt. Andererseits. Wer weiß schon Wochen vorher, wann ihm der Sinn nach einer Molekular­küchen­erfahrung steht? Und wann nach einer Leberkäs-Semmel? Um einen Tisch fürs Wochenende aber muss man sich Anfang der Woche kümmern. Spätestens. Das kann man nun eine metropolitäre Erfahrung nennen, ein urbanes Gefühl. Oder man zieht sich zurück auf das Konzept seines Lieblingsrestaurants. Gute Gastgeber nämlich, auch daran erkennt man sie, haben für ihre Stammgäste noch immer ein Plätzchen parat.

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