Essen & Trinken

„Zu heiß gegessen“ von Clemens Niedenthal

Der tip-Gastroredakteur über einen Schweizer Koch vor Gericht, Körperverletzung und Rumgebrülle in der Küche und dort herrschende Umgangsformen.

Nichts wird so heiß gegegessen, wie es gekocht wird. Sagt man zumindest so. Und darauf wollte sich auch der Küchenchef eines gutbürgerlichen Schweizer Speiselokals berufen, als er im Januar in zweiter Instanz vom Obergericht Zürich verurteilt wurde. Unter anderem wegen Körperverletzung und sexueller Nötigung.
Herrscht ja auch ein rauer Ton in der Küche. Da droht man einer Praktikantin schon mal mit Analsex oder einer gewaltätigen Itimrasur. Sah zumindest der Küchenchef so. Wird ja nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. So redet man halt – unter Köchen. Nicht nur der Ofen muss da mal Dampf ablassen.
Man könnte sich jetzt mit gutem Grund darüber aufregen, dass die Richterin in erster Distanz dieser Argumentation im vergangenen Jahr noch in allen Punkten zu folgen vermochte. Oder man könnte darüber reden, dass eine neue Generatiom junger – und längst nicht mehr nur junger – Chefs einen anderen Küchenstil pflegt. Klar kenne er auch das Rumgebrülle und das Hitzige, hatte etwa der erst 26-jährige Arne Anker anlässlich seiner Vorstellung als neuer Küchenchef im Pauly Saal im gesagt: „aber das war eine andere Zeit, eine andere Generation.“
Diese Generation will eine Küche auf Augenhöhe. Die Schwarzwurzel ist so viel wert wie das Steinbutt. Und der Lehrling wie der Sternekoch. Hoffen wir, dass das ein Trend ist, der bleibt. Roh darf gerne das Tatar sein, nicht die Umgangsformen.“

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