Kunst

Licht Luft Scheiße: Perspektiven auf Ökologie und Moderne

Licht Luft Scheiße: Perspektiven auf Ökologie und Moderne
Book & Hedén: 33 Days in a Damson thicket, 2014 | © Book & Hedén

Ausstellungen im Botanischen Museum Berlin & in der neuen Gesellschaft für bildende Kunst und Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten Kreuzberg

»Licht Luft Scheiße.

Perspektiven auf Ökologie und Moderne« stellt eine ganze Reihe verschiedener Denkmodelle und Praktiken aus dem letzten Jahrhundert vor, die sich in unseren heutigen Vorstellungen von Nachhaltigkeit wiederfinden. Sie bilden die Referenz- und Ausgangspunkte, um die Idee eines anderen, alternativen Lebens in der globalisierten Welt neu zu betrachten und zu aktualisieren. Angesichts der fortgesetzten Zerstörung des Planeten muss unser Verhältnis zur Biosphäre und zum Nicht-Humanen grundsätzlich überdacht werden.Die ökologische Frage ist nicht neu. Bereits vor über hundert Jahren entstanden in Reaktion auf die zunehmende Industrialisierung und Urbanisierung im Kapitalismus eine Vielzahl von Reformbewegungen: vom gemeinnützigen Wohnungsbau bis zu anarcho-syndikalistischen Siedlungen, von urbanen Selbstversorgergärten und ökologischem Landbau bis zu Konzepten einer kreislaufbasierten Abfallwirtschaft. Diese Ansätze bauten mitunter auf vormodernem Wissen auf und wurden durch die Erfahrung der sozialen und wirtschaftlichen Krisen nach Ende des Ersten Weltkrieges verstärkt. In ihnen spiegelt sich nicht nur ein systemisches Verständnis der Wechselwirkungen von Mensch und Umwelt, von Natur und Technik, sondern auch das wachsende Bewusstsein für eine sich die Lebensgrundlage entziehende Moderne. Auch das Bauhaus, dessen baukünstlerisches Programm von ökologischen Fragestellungen weit entfernt war, beschäftigte sich intensiv mit der Idee eines biophilosophisch geprägten Funktionalismus: eine Gestaltungspraxis nach Vorbild natürlicher Strukturen und Prozesse.Die zweijährige Recherchephase des Projekts mündet nun in zwei Ausstellungen, die zeitgenössische Kunstproduktion und Archivmaterial verbinden, sowie in ein selbstorganisiertes Bildungsprogramm. Diese drei, von Veranstaltungen und Publikationen begleiteten Projektteile behandeln die Geschichte und Gegenwart der Umweltbewegung, der sozialökologischen Stadtentwicklung, der Gartenkultur sowie der Pflanzen- und Bodenforschung.

Ausstellung im Botanischen Museum Berlin

Die Ausstellung im Botanischen Museum Berlin präsentiert Installationen zeitgenössischer Künstler_innen, die sich mit Blick auf Ressourcen, Biodiversität und Müll mit den Methoden und Ästhetiken der Wissenschaft auseinandersetzen. Die Arbeiten wurden zum Teil eigens für das Projekt neu entwickelt.Der Ausstellungsteil »Pflanzenwerkstatt der Moderne« nimmt die Perspektive der Pflanzenforschung auf, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Bereiche Physiologie, Genetik und Bodenkunde diversifizierte. Es stellt sich die Frage, inwieweit diese Diskurse durch die funktionalistischen, sozialreformerischen und utopistischen Strömungen der Moderne beeinflusst wurden und umgekehrt.

16. August – 27. Oktober 2019Botanisches Museum BerlinKönigin-Luise-Straße 6-8, 14195 BerlinAusstellung, Täglich 9-19 Uhr

Publikation

Ausstellung in der neuen Gesellschaft für bildende Kunst

In der nGbK wird eine Sammlung von Archivmaterialien, historischen Quellen und Artefakten zu sehen sein, die vorwiegend aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen und auf gedankliche wie praktische Vorläufer heutiger Modelle zur Lösung der ökologischen Frage verweisen. Thematische Kristallisationspunkte sind u.a. das von Leberecht Migge und Elisabeth Elsaesser im Jahr 1933 begonnene Selbstversorger-Experiment auf der »Sonneninsel« im Seddinsee bei Berlin sowie die Erforschung und Illustration von Bodenorganismen durch Raoul Francé und Annie Francé-Harrar.

17. August – 27. Oktober 2019neue Gesellschaft für bildende KunstOranienstraße 25, 10999 BerlinAusstellung, Täglich 12-18 Uhr, Fr 12-20 UhrVeranstaltungen / Publikation

Weiterlesen :https://www.ngbk.de/de/show/150/licht-luft-scheisse-perspektiven-auf-oekologie-und-moderne-ngbk

Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten Kreuzberg

Die globale ökologische Krise und ihre sozialen Auswirkungen werfen auch Fragen nach neuen Bildungsformen auf. Für welche Zukunft lernen wir? Eine Zukunft des gemeinsamen Sorgetragens für das Leben auf diesem Planeten? Oder eine Zukunft fortgesetzter Zerstörung? Seit 2015 experimentiert die Nachbarschaftsakademie mit selbstorganisierten Formen des Lernens zwischen Aktivismus und Kunst. Unter dem Titel »Aus den Ruinen der Moderne wachsen« soll im Sommer 2019 ein Curriculum für einen dauerhaften Lernort – für die nächsten 99 Jahre – im Prinzessinnengarten Kreuzberg entwickelt werden. Hier bedeutet Lernen gemeinschaftlich und freudvoll zu Formen des Zusammenlebens beizutragen, in denen Mensch und Biosphäre nicht ausgebeutet werden.

Juni – September 2019Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten KreuzbergPrinzenstraße 35-38, 10969 BerlinVeranstaltungen / Kinoprogramm / Workshops / Installationen / Publikation

Weiterlesen :https://www.ngbk.de/de/show/229/licht-luft-scheisse-perspektiven-auf-oekologie-und-moderne-nak

Beteiligte Künstler_innen und Wissenschaftler_innen:

Marte Aas (NO), Tal Alon Mozes (IL), bankleer (DE), Elisa T. Bertuzzo (IT/DE), Brett Bloom & Bonnie Fortune Bloom (US), Böhler & Orendt (DE), Book & Hedén (NO), Oliver Botar (CA), Thomas Elsaesser (DE/NL), Ekhart Hahn (DE), David Haney (US/DE), Martina Hanusová (CZ), Helen Mayer Harrison and Newton Harrison (US), Marc Herbst (US/DE), Channa Horwitz (US), Michael Klein & Sasha Pirker (AT), Aglaia Konrad (AT/BE), Joachim Krausse (DE), Susanne Kriemann (DE), Wolfram Kunick (DE), Merete Mattern (DE), Joaquín Medina Warmburg (DE), Alessandra Ponte (CA), François Roche/New-Territories (FR/TH), Daniel Spruth (DE), Tal Sterngast (IL/DE), Michelle Teran (CA/DE), Gitte Villesen (DK/DE), Yvonne Volkart (CH), Nicole Wolf (DE/UK) u.a.

Das Projekt wird realisiert durch:

• Botanischer Garten und Botanisches Museum der Freien Universität Berlin (BGBM)• die Martin-Elsaesser-Stiftung• die Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten Kreuzberg und die• neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK)Künstlerische Leitung:

Sandra Bartoli, Marco Clausen, Silvan Linden, Åsa Sonjasdotter, Florian Wüst (nGbK-Projektgruppe), Kathrin Grotz, Patricia Rahemipour (BGBM)

Gefördert im Fonds Bauhaus heute der Kulturstiftung des Bundes und durch die LOTTO-Stiftung Berlin

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