After Work Tours #3
Colleen Ndemeh Fitzgerald
Die Sophiensæle befinden sich in einem Gebäude voller Geschichten – davon zeugen Verzierungen an den Decken, Risse in den Wänden, Zeichnungen auf alten Türen, genauso wie Geister und Erinnerungen, die dieses Haus bewohnen. Die Wände, Treppenhäuser und Säulen erzählen dabei auch viel über den Wandel von Arbeit in den 120 Jahren ihrer Existenz – und über Emanzipation, Widerständigkeit, Demokratisierung und Selbstorganisation, genauso wie über Gewalt, Zwang und Ausbeutung, die sich in und mit ihr manifestierten.
Ausgehend vom Format der Historischen Hausführungen, die regelmäßig in den Sophiensælen angeboten werden, entwickeln drei Berliner Künstlerinnen neue ortsspezifische Performances als Auftragsarbeiten für das Festival.
Die Geister der kolonialen Vergangenheit sind hier bei uns. Sie gehen dieselben Gänge entlang, streichen mit den Fingern über dick verputzte Wände,spüren den Mineralien aus ihren Bergen nach, die darunter verborgen liegen.Die Widerstandskämpfer*innen der kolonialen Gegenwart kommen, um uns zu holen. Keine Geduld für langsamen Wandel.Keine sanften Worte, um schwache Herzen zu trösten.
Für diese Tour gehen wir gemeinsam durch die Räume der Sophiensæle und erinnern uns an die Arbeit – besonders die Arbeit von Afrikaner*innen –, die Europa still und leise aufgebaut hat. Wir werden das Gewicht dieser Arbeit spüren.
Ich frage mich: Wie schwer wiegt die Last einer unterbrochenen Zukunft?Wie sieht es mit einer Million unterbrochener Zukünfte aus?Wie schwer ist der Gedanke an verlorene Vorfahren?Wieviele Rücken braucht es, um all dieses Gewicht zu tragen?