Ausstellung/Museen

Großes Kino - Filmplakate aller Zeiten

Seit es Kino gibt, sind Plakate zentrale Player in der Kommunikation von Film: Sie bringen das Kino auf die Straße und wecken im großen Stil Gefühle. Die Ausstellung „Großes Kino“ präsentiert 300 originale Filmplakate der 1900er- bis 2020er-Jahre aus der Sammlung Grafikdesign der Kunstbibliothek am Kulturforum. Zeitgenössische Gäste aus der Welt des Films sind kuratorisch beteiligt.

Grafische Kurzformel

Ein Kinofilm braucht ein Plakat – selbst in digitalen Zeiten ist es das wichtigste Medium der visuellen Kommunikation. Denn ein gutes Filmplakat ist Werbung und Kunst zugleich: Es verdichtet die Handlung des Films zu einem einzigen prägnanten Bild, fängt Atmosphäre ein und stellt Protagonisten vor. Es macht neugierig ohne zu viel preiszugeben. Kurz: Hier wird Film in Grafik übersetzt, mitsamt aller Emotionen im „Großen Kino“. Filmplakate bringen zum Staunen, Lächeln oder Stirnrunzeln, sie schüren Spannung, Erinnerung, Erregung oder Bewunderung.

… aller Zeiten

Um 1900, kurz nach Erfindung des Kinematografen, kamen erste Filmplakate im Stadtraum zum Einsatz. Die Ausstellung zeichnet in rund 300 Exponaten eine Geschichte des Filmplakats von 1905 bis heute: von erzählerischen und expressionistischen Lithografien im Stummfilmkino über die weltberühmte moderne Grafik für Neue Filmkunst und Atlas in den 1960er Jahren bis zu aktuellem Design zwischen Papier und Pixel. Neben deutschen Plakaten sind Frankreich, die USA, Polen und weitere Länder vertreten. Das Spektrum umfasst zwölf Jahrzehnte – im wahrsten Sinne also: Filmplakate aller Zeiten!

Profis und Promis

Was ein gutes Filmplakat ausmacht, liegt stark im Auge der Betrachtenden. Es hat mit Geschmack zu tun, und mit persönlichen Erfahrungen. Die Ausstellung „Großes Kino“ wird daher kollaborativ kuratiert: 26 Menschen aus der Film- und Kinobranche haben bei der Auswahl der Exponate aus den rund 5000 Filmplakaten in der Sammlung Grafikdesign geholfen. Gemeinsam mit der Berlinale-Direktion nominierte Gäste aus den Bereichen Schauspiel, Regie, Kinobetrieb, Filmwissenschaft, Kunst und Grafikdesign wurden eingeladen, je ein Lieblingsplakat auszusuchen. In einem Audioguide erläutern sie Besucher*innen ihre Auswahl.

Beteiligt sind: Anna Berkenbusch, Christian Bräuer, Carlo Chatrian, Adrian Curry, Thea Ehre, Maryna Er Gorbach, Liv Lisa Fries, Maria Fuchs, Douglas Gordon, Graf Haufen, Ella Lee, Natalie MacMahon, Vasilis Marmatakis, Lemohang Mosese, Maximilian Mundt, Elfi Mikesch, Helke Misselwitz, Ulrike Ottinger, Asli Özge, Kida Khodr Ramadan, Mariette Rissenbeek, Pierre Sanoussi-Bliss, Albrecht Schuch, Simon Spiegel, Verena von Stackelberg und Jasmin Tabatabai.

Arthouse bis Blockbuster

In der Auswahl der 26 Gäste sind neben Klassikern wie „Der Golem“ und Kultfilmen wie „Rocky Horror Picture Show“ oder „Fear and Loathing in Las Vegas“ auch Arbeiten von Isolde Baumgart, Helmut Brade, Dorothea Fischer-Nosbisch, Hans Hillmann und weiteren herausragenden Plakatgestalter*innen vertreten. Die Chronologie der Filmplakate umfasst Blockbuster wie „Der weiße Hai“, „Star Wars“ oder „Herr der Ringe“ ebenso wie Plakate für Arthouse- und Independent-Filme von Neorealismo über New Hollywood bis Pedro Almodovar. Der Superstar unter den Exponaten ist „Metropolis“, ein 1927 von Boris Bilinsky entworfenes Großformat (2,20 x 3 m), von dem wohl nur dieses eine Exemplar in einem Museum erhalten ist. Der Rundgang endet mit Fan Art, handgemalten Großplakaten von Götz Valien und einem Blick auf heutige Sammelstrategien.

Vorspannkino und Kinderstationen

Auch das Bewegtbild fehlt nicht in der Ausstellung: Ein integriertes „Vorspannkino“ zeigt Filmintros und Titelsequenzen, die einen gestalterischen Dialog mit Plakaten eingehen. Für Kinder heißt es „Folgt Paula Popcorn!“: Das Maskottchen führt durch den Family Trail mit interaktiven Stationen zum Hören, Tasten, Spielen und Zeichnen.

Kooperation mit den Internationalen Filmfestspielen Berlin

Die Kunstbibliothek – als Museum mit einer traditions- und umfangreichen Sammlung Grafikdesign – veranstaltete schon 1959 (anlässlich der IX. Internationalen Filmfestspiele) und 1975 (zu den 25. Filmfestspielen) Ausstellungen mit Filmplakaten in ihren Räumen. Mit „Großes Kino“, das 2024 parallel zu den 74. Filmfestspielen am benachbarten Potsdamer Platz läuft, wird diese Verbindung wiederaufgenommen.

Kuratorisches Team

Die Ausstellung wird kuratiert von Christina Thomson, Leiterin der Sammlung Grafikdesign, und Christina Dembny, wissenschaftliche Projektmitarbeiterin.

Für inhaltliche Mitarbeit danken wir Kristina Jaspers und Peter Mänz (Deutsche Kinemathek) sowie Mariette Rissenbeek und Melika Gothe (Internationale Filmfestspiele Berlin), für fachliche Beratung Helmut Hamm (filmposter.net) und Tom Luther.

Katalog zur Ausstellung

Zur Ausstellung erscheint eine reich bebilderte Publikation im Sandstein Verlag (ca. 230 Seiten, deutsch/englisch).

Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung

„Großes Kino“ wird begleitet von einem vielfältigen Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm, mit Führungen, Workshops, Expertengesprächen, Exkursionen, Stummfilmabenden und mehr. Ein Symposium am 23./24. Februar 2024 untersucht das Filmplakat aus zeitgenössischer, insbesondere kritischer Perspektive.

Das Vermittlungsprogramm wird unterstützt von der Berliner Sparkasse.



Eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin in Zusammenarbeit mit den Internationalen Filmfestspielen Berlin und der Deutschen Kinemathek

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