Ausstellung/Museen

Zauberhafte Keramikwelt: Raku

Zauberhafte Keramikwelt: RAKU



11.06.2023 – 29.01.2024, Fr, Sa, So, Mo 13 – 17 Uhr



Gezeigt werden über 100 Exponate aus vier Jahrhunderten, von traditionellen Teeschalen aus Japan bis hin zu modernen Objekten aus der westlichen Hemisphäre, unter denen sich auch Arbeiten deutscher sowie Berliner Künstler befinden. Zahlreiche Leihgaben aus Privatbesitz runden den museumseigenen Bestand ab.





Die Geschichte der Raku-Keramik



Der Überlieferung nach leitet sich der Begriff „Raku“ von der Stelle ab, an der im späten 16. Jh. in der japanischen Hauptstadt Kyôto Lehm abgebaut wurde, ist aber auch eine alte Bezeichnung für die Stadt Kyôto selbst. Das japanische Kanji-Schriftzeichen dafür ist 楽. Es bedeutet sinngemäß „Freude“ oder „Vergnügen“.



Seit 425 Jahren und 15 Generationen ist „Raku“ auch der Markenname und das Siegel einer Töpfer-Dynastie, die eine zentrale Rolle in der Tradition der japanischen Teekeramik spielt.

Diese handgeformte, anfangs stets nur rot oder schwarz glasierte Keramik entstand im Geist

des Zen-Buddhismus und dem damit verbundenen Teeweg (chado). Die Herstellerfamilie war und ist der Überzeugung, dass sich der Begriff „Raku“ allein auf die Töpfer bezieht, die in dieser Tradition stehen und nicht auf die Technik an sich. Im Gegensatz dazu wird „Raku“ heute im Westen als eine spezielle Brenntechnik angesehen.



Der Geschichte nach soll im 16. Jh. der koreanisch- oder chinesisch-stämmige Dachziegelmacher Chojiro (gest. 1589), der erste Handwerker dieser Tradition und Schöpfer berühmter Teeschalen, unter die Schirmherrschaft des japanischen Teemeisters Sen no Rikyu (1522-1591) gekommen sein. Der Legende nach verlieh der Feldherr und Reichseiniger Toyotomi Hideyoshi (1537-1598) nach Chôjirôs Tod dessen Adoptivsohn Jôkei (gest. 1635) im Jahr 1598 ein goldenes Siegel mit dem Kanji „Raku“. Das Zeichen selbst wird bis heute verwendet, erfuhr von Generation zu Generation aber charakteristische Änderungen, die heute eine zeitliche Einordnung ermöglichen.



Damit markiert die Raku-Keramik einen wichtigen Punkt in der historischen Entwicklung der japanischen Keramik, da sie erstmalig eine personengebundene Signatur verwendete und bei der eine enge Zusammenarbeit zwischen Töpfer und Auftraggeber im Mittelpunkt stand. Sowohl der Name, als auch die Brenntechnologie und der Keramikstil werden bis heute weitervererbt.



Nach einem Handbuch aus dem 18. Jh. wurde Raku-Ware aber auch in zahlreichen Werkstätten in und um Kyôto und später sogar in ganz Japan von professionellen Töpfern aber auch Amateuren hergestellt und gebrannt. Berühmte eigenständige japanische Töpfer von Raku-Keramik sind u. a. Hon‘ami Kôetsu (1556-1637), Ichigen (1662-1722) und Ogata Kenzan (1663-1743). Sie gelten mittlerweile jedoch als in den Raku-Familienstammbaum integriert.



Ab den 40er Jahren des 20. Jh. wurde die Raku-Technik u. a. durch Bernard Leach (1887-1979) und Paul Soldner (1921-2011) auch im Westen bekannt. Mit der Zeit wandelte sich die japanische Urform allerdings. So etablierte sich etwa die Technik der Nachreduktion durch Holzspäne. Auch die Formen und Glasurfarben wurden weniger streng und vielfältiger. Inzwischen hat sich für diese Art Keramiken der Begriff „amerikanisches Raku“ oder „westliches Raku" etabliert. Da das „westliche Raku“ in Gasbrennöfen bei meist 800 °C - 1000 °C im Freien gebrannt und anschließen schockartig abgekühlt wird, ist dessen relativ unkomplizierte Herstellung heute auch bei professionellen Künstlern wie Laien sehr beliebt und verbreitet.                               Text: Dr. Peter Pilz

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