Ausstellung/Museen

Im Gehölz. Horst Janssen und die Bäume

Das Thema des Baumes ist am Kulturforum nicht allein temporär in Gestalt des künstlerischen Projekts der „Baumschule Kulturforum“ präsent. Viele Werke in der Gemäldegalerie und dem Kupferstichkabinett bezeugen, dass Bäume bereits in der älteren Kunst eine Rolle spielen. Von Ausnahmen abgesehen, bilden sie allerdings zumeist nur die Staffage, dienen also als Rahmen für das eigentliche Bildgeschehen.

Ganz anders ist dies im Schaffen des Zeichners und Radierers Horst Janssen (Wandsbek bei Hamburg 1923 – 1995 Hamburg): Zu Beginn der 1970er Jahre rücken bei ihm erstmals in Moor- und Wiesenlandschaften befindliche Bäume in den Vordergrund. Die Auseinandersetzung mit dem Baum als Protagonist seiner thematisch so reichen Kunst auf Papier kulminiert Mitte der 1980er Jahre in dem 25-teiligen Werk „Laokoon. Die Bäume der Annette“.

Die Kopfweide als Motiv

Dabei ist es fast ausnahmslos die meist in der Nähe von Gewässern zu findende Kopfweide, die in Janssens Landschaften ihr eigenwilliges Leben entfaltet. Bei diesem den Künstler faszinierenden Baumtypus handelt es sich um vom Menschen lange Zeit zu wirtschaftlichen Zwecken genutzte Silber- oder Korbweiden, deren Stamm nach einigen Jahren an einer Stelle eingekürzt wird, an der dann neue Zweige sprießen. Über die Zeit bildet der Stamm hier eine kopfförmige Verdickung aus. Bei Verwilderung werden aus den dünnen Zweigen schwere Äste. Sie können ein Auseinanderbrechen des Stammes bewirken, ohne dass der Baum komplett abstirbt.

Dieser „urwüchsige“ Charakter der Kopfweide ist es, den Horst Janssen in seinen Graphiken ausreizt und übersteigert. Im Geäst seiner zu launischen Individuen mutierenden Weiden spiegeln sich Manier, Temperament und Leidenschaften des Künstlers – die Liebe eingeschlossen.

Der Dialog mit den Alten Meistern

Trotz aller überbordenden Schaffenskraft und stilistischen Eigenständigkeit findet Horst Janssen in der europäischen wie der asiatischen Kunstgeschichte zahlreiche Anregungen, die zum Ausgangspunkt für seine individuellen Formfindungen werden. So ergeben sich Anklänge etwa an die Graphik des 16. und 17. Jahrhunderts. In der Ausstellung belegen mehrere Werke aus dem reichen Bestand des Kupferstichkabinetts die Vorgeschichte der „Baum-Begeisterung“ von Horst Janssen. Sie stammen von Albrecht Altdorfer und Wolf Huber – zwei Protagonisten der dem Sujet der Landschaft verbundenen Donauschule – sowie Rembrandt und Tizian. Bei Rembrandt und Huber findet sich das Thema der (Kopf-)Weide. (Mehrere junge Weiden gehören übrigens auch zu den Zöglingen der „Baumschule Kulturforum“.) 

„Laokoon. Die Bäume der Annette“

In „Laokoon. Die Bäume der Annette“ (1986) bezieht sich Janssen assoziativ auf den dramatischen Kampf des Priesters Laokoon und seiner beiden Söhne mit zwei Schlangen, wie ihn die berühmte antike Skulpturengruppe im Vatikan darstellt.

In der zentralen Figur des mit einer der todbringenden Schlage ringenden, sich gegen sein Schicksal aufbäumenden Laokoon sieht der Künstler eine Parallele zum wilden Überlebenskampf der alten Kopfweiden. In seinen Radierungen lotet Horst Janssen unter Einsatz verschiedener Papiere, Farbtöne und Ätzverfahren dieses so besondere Eigenleben der Bäume mit technischer Finesse und Experimentierfreude aus.

Kurator

Die Ausstellung wird kuratiert von Andreas Schalhorn, Kurator für die moderne Kunst am Kupferstichkabinett



Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin

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