Ausstellung/Museen

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Mit festem Blick schaut uns die Künstlerin an und präsentiert eine Fotografie, auf der sie selbst gleich mehrfach abgebildet ist: in positiver und negativer Form mit dem Selbstauslöser in der Hand. In riesigen Bahnen aus Fotopapier, die von der Decke hängen, sind Fotografien und lebensgroße Fotogramme abgebildet – Sophie Thun setzt ihren Körper als Instrument ein, um etablierte Konzepte von Gesellschaft, Geschlecht und Gender zu hinterfragen. Bildraum und realer Raum scheinen ineinander zu verschmelzen und fordern unsere Sehgewohnheiten heraus.

Mit ihren Arbeiten knüpft Sophie Thun an die lange Tradition weiblicher Selbstdarstellung in der europäischen Kunstgeschichte an. Künstlerinnen setzten sich mit ihrer (zugewiesenen) Rolle auseinander, stellten sich selbst und ihr künstlerisches Werkzeug dar und nutzten die Technik mise-en-abyme, das Bild im Bild. Sophie Thun schafft Bezüge, die bis ins 16. Jahrhundert zurückgreifen, und thematisiert gleichzeitig die prekären Arbeitsbedingungen von Nachwuchskünstler*innen in unserem westlichen Gesellschaftssystem: Wenn sich Thun in anonymen Hotelzimmern nackt inszeniert und mit der Kamera auch uns Betrachter*innen fokussiert, ruft sie das Hotel als Ort erotischer Fantasie auf. Die Bilder der Serie After Hours sind jedoch nicht auf Urlaubsreisen entstanden, sondern in beruflichem Kontext: Um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, assistiert Thun, wie viele ihrer jungen Kolleg*innen, erfolgreichen und meist männlichen Künstlern. Ihre eigene Arbeit entsteht dann oft in den Nachtstunden und mit den Mitteln, die ihr am fremdbestimmten Ort zur Verfügung stehen – der eigene Körper, der Selbstauslöser, die Kamera.

Sophie Thun verbringt viel Zeit ihres Schaffens in der Dunkelkammer, wo sie ihren Körper direkt mit dem lichtempfindlichen Papier in Verbindung bringt. So erzeugt sie Schatten, Abdrücke und Spuren, die in neue Bilder eingespeist und zu komplexen Arrangements im Raum umgebaut werden. In der unmittelbaren Bearbeitung ihrer fotografischen Arbeiten ist die Malerei, ihr ursprüngliches künstlerisches Medium stets spür- und sichtbar.

C/O Berlin zeigt die erste institutionelle Einzelausstellung von Sophie Thun. Die Präsentation bringt die Arbeiten der letzten Jahre zusammen, die sich mit den Themen Geschlecht und Gender befassen, aber auch um die fotografische Repräsentation und analoge Fototechnik kreisen.

Sophie Thun (*1985) lebt und arbeitet in Wien. 2017 studierte sie bei Daniel Richter und Martin Gutmann an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ihre Arbeiten waren in Einzel- und Gruppenausstellungen u. a. an der Folkwang Universität der Künste, Essen, bei Camera Austria, Graz, sowie in der Bank Austria Kunstforum, Wien, und der Galerie Sophie Tappeiner, Wien, ausgestellt. Sie sind Teil der Sammlung des Smart Museums, Chicago, und der Verbund Collection, Wien.