Campus-Kino: Stolz und Eigensinn
„Chemie bringt Wohlstand, Brot und Schönheit“, so versprach es einst Walter Ulbricht den Menschen in der DDR. In Leuna, westlich von Leipzig, wurde für die Chemie ein Riesenwerk errichtet, in dem Frauen genauso arbeiteten wie Männer. Generell war es im Arbeiter- und Bauernstaat keineswegs unüblich, Frauen auch bei Tätigkeiten zu sehen, für die sie eigentlich als zu wenig stark galten. Gerd Kroske traf für seinen Film „Stolz und Eigensinn“ einige dieser Veteraninnen der Gleichberechtigung in der DDR: Frauen, die in der „Schuh-Metropole Weißenfelds“ im Betrieb „Banner des Friedens“ malochten, oder die im Tagebau mit den riesigen Geräten zugange waren. „Stolz und Eigensinn“ wird damit auch zu einer Geschichte der großen Transformation, auch wenn die Dramen der Arbeitslosigkeit, des Bedeutungsverlusts und der nach der Vereinigung deutlich konservativeren Gesellschaftspolitik nicht an die große Glocke gehängt werden. Der Film ist ein unschätzbarer Beitrag, und für aktuelle Debatten um Anerkennung und Würde von Arbeit angesichts des nächsten großen Umbruchs mit Künstlicher Intelligenz sollte man den Film auch heranziehen.