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Die Politik der Schuld. Über Deutsche Identitätspolitik Poster
© © Kulturamt Spandau

Die Politik der Schuld. Über Deutsche Identitätspolitik

Der Terrorangriff der Hamas und der darauffolgende Vergeltungskrieg der israelischen Armee hat die moralischen Koordinaten der deutschen Erinnerungspolitik durcheinandergewirbelt. Der deutsch-italienischen Philosoph Luca Di Blasi unterzieht die lange Zeit als vorbildlich erachtete deutsche Erinnerungskultur einer fundamentalen Kritik. Ihm zufolge konnte eine nach 1945 diskreditierte und unhaltbar gewordene Volksgemeinschaft im Namen der Schuld als „Tätervolksgemeinschaft“ überwintern. Denn in der Rede von der „deutschen Schuld“ waren nicht nur die Weichen für eine progressive, für kollektive Opfer von Diskriminierung und Verfolgung attraktive Identitätspolitik gestellt. Auch eine Alternative für ehemalige Komplizen und Mitwisser auf Täterseite schien auf: die Bewahrung einer kollektiven Identität im Namen der anerkannten Schuld. Diese „negative Identitätspolitik“ wurde im Nachkriegsdeutschland wirksam.

Anknüpfend an unterschiedliche Formen des Umgangs mit kollektiver Schuld in Judentum und Christentum zeigt Di Blasi, wie Schuldanerkennung nach 1945 zu einer neuartigen Form nationaler Identitätspolitik avancierte, – und wie wir ihre Krise überwinden können.

Luca Di Blasi ist Professor für Philosophie an der Theologischen Fakultät der Universität Bern.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Verein der Freunde des Rohkunstbau e.V.

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/ ZAK Zentrum für Aktuelle Kunst
/ Kostenfrei

18:00 Uhr
Zitadelle Am Juliusturm 64, 13599 Berlin
https://www.zitadelle-berlin.de/