Doppelgänger
Die neue Gob Squad-Produktion feierte bei den Wiener Festwochen Premiere. In der österreichischen Hauptstadt wirkte einst Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, der sich in seinem Aufsatz „Das Unheimliche“ (1919) unter anderem mit dem Doppelgängermotiv auseinandersetzte. Doch keine Sorge: Bei dem britisch-deutschen Performance-Kollektiv wird es alles andere als tiefenpsychologisch – wenngleich die verspiegelte Box, die bereits vor 30 Jahren zum Einsatz kam, Freud wohl ein vielsagendes „Aha“ entlockt hätte. Verdoppelt werden vielmehr die Darsteller auf der Bühne: Wie Avatare werden sie von ihren Doppelgänger:innen gesteuert, bevor es zum Rollentausch kommt. Bezüge zur digitalen Sphäre und der damit verbundenen Selbstinszenierung werden nicht explizit hergestellt. Dafür setzen sich im Nachgang aber umso mehr Assoziationsketten in Gang.