Literatur

Mit ihrem Debütroman schreibt Elisabeth Pape Klassenliteratur

„Zieh dich nackt aus!“ fordert die Mutter sie auf. „Damit ich sehen kann, wie dick du geworden bist.“ Eine Szene wie aus Hänsel und Gretel, nur dass die Hexe hier kein Märchenwesen ist, sondern die eigene Mutter. In Elisabeth Papes Debüt „Halbe Portion“ bleibt sie namenlos – wohl als Schutzabstand zu einer Realität, die schmerzt. Vieles darin ist autofiktional, vor allem die Kindheit in Steglitz: Kontrolle über Essen geht Hand in Hand mit Kontrolle über Geld, von dem es kaum gibt. Die Mutter, ukrainische Migrantin, alleinerziehend, Hartz-IV-Empfängerin – und der Kampf ums Überleben hinterlässt Spuren. Diese enge Verknüpfung prägt Papes Verhältnis zu Körper, Essen und Geld bis ins Erwachsenenleben. Die Härte der Erzählung, klar szenisch gebaut, wird durch lakonischen Humor gebrochen, wenn sie etwa im Kino „Popcorn poppt“. Dialoge sind selten, die innere Stimme dafür umso lauter. Pape schreibt sich nah an ihre Leserinnen und Leser heran – so nah, dass es schmerzt und tief berührt.
Wer das live erleben möchte: Am Mittwoch, 3.12., um 19 Uhr liest Elisabeth Pape in der Pablo-Neruda-Bibliothek, Frankfurter Allee 14A in Friedrichshain. Eintritt frei.

©Suhrkamp

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