Lyrische Lügen und Kampf um Aufmerksamkeit: „Die Dichterin“ von Özge Inan
Die Geschichte ist perfekt: Als Literaturphänomen aus der Unterschicht geht Emma Rodenstock durch die Decke, wird in der Presse gefeiert – und dann als mögliche Hochstaplerin entlarvt. Denn die junge Journalistin Nazanin Esfahani findet Unstimmigkeiten in Emmas Vita und noch dazu eine andere Autorin, von der der Star abgeschrieben haben könnte. Aus den Debatten um Privileg, Aufmerksamkeitsökonomie und Authentizität spinnt Özge Inan in „Die Dichterin“ eine fesselnde Geschichte, die den Nerv der Zeit einfängt. Bei der Premiere ihres neuen Romans spricht Inan, die auch als Autorin für „Zeit Online“ und die „Süddeutsche Zeitung“ bekannt ist, mit dem investigativen Journalisten Laurenz Schreiner.