Sebastian Krämer
Textlich bewegt sich der Chansonnier Sebastian Krämer seit jeher auf einem schmalen Grat: Zwischen skurriler Beobachtung und gedanklicher Tiefenbohrung entfaltet sich ein Kosmos, in dem das Abseitige plötzlich philosophisch aufleuchtet und das Grübeln stets von einem verschmitzten Augenzwinkern begleitet wird. Auch seine musikalischen Arrangements durften zuletzt durchaus opulent ausfallen – bis hin zum orchestralen Gewand, das seinen Liedern eine beinahe symphonische Weite verlieh. Mit dem aktuellen Programm „Gesänge auf der Falltür“ kehrt Krämer jedoch an den Ursprung seines Schaffens zurück: ans Klavier. Dort sitzt er wieder, scheinbar gelassen, und lässt mit mildem Lächeln durchscheinen, dass der Boden unter unseren Füßen brüchig ist. Dass wir uns, während wir noch lauschen und schmunzeln, längst über dem Abgrund befinden. Und doch erscheint dieser Abgrund bei kaum jemandem so verführerisch bittersüß wie in Krämers Liedern – als wäre selbst der Fall von einer eigentümlichen Zärtlichkeit getragen.