Musik & Party in Berlin

Ewig-Sängerin Jeanette Biedermann im Gespräch

Ihren Durchbruch erlebte die 31-jährige Berlinerin mit der Seifenoper "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Parallel dazu nahm sie als Popsängerinnen Platten auf. Vor einem Jahr gründete sie mit ihrem Ehemann Jörg Weißelberg und Christian Bömkes die Band Ewig.

EwigFrau Biedermann, wie kam es zur Gründung der Band?
Eigentlich ganz zufällig und aus dem kreativen Prozess des Schreibens heraus.  Jörg und ich hatten gerade an einer englischen Platte für mich geschrieben. Parallel schrieb Jörg an deutschen Songs. Hier hat er schon für viele Künstler gearbeitet, z.B. Silbermond. Ich brauchte dann eine kreative Pause und gesellte mich zu Jörgs Songs. Wir beiden hatten bereits ein deutsches Album für Selina Shirin Müller geschrieben, was die EMI veröffentlicht hatte. Unabhängig davon hatten wir immer schon den Singer-Songwriter Christian Böhmkes im Auge, da wir von seinen Songs (u.a. für Laith Al-Deen) sehr angetan waren. Zufällig lernten wir Christian wenig später kennen und fragten ihn, ob er nicht Lust an einer gemeinsamen Songwriting Session hätte. Er war sofort begeistert und gemeinsam entstanden dann so wunderbare Songs, dass wir uns in die Augen schauten und gesagt haben: Die wollen wir einfach nicht weggeben… und so entstand dann unsere Band.

Im Regelfall lösen sich Bands auf, die Mitglieder etablieren sich als Solokünstler. Sie sind den umgekehrten Weg gegangen. War es schwierig, sich in ein Bandgefüge zu integrieren?
Nein, überhaupt nicht, da ich immer schon ein Teamworker war und bis heute bin. Ich war hellauf begeistert von dieser Idee um der Musik Willen, dass ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht habe, ganz im Gegenteil: Wir meinen es wirklich ernst und deshalb heißt die Band auch nicht Jeanette Biedermann feat. Ewig oder ähnlich, sondern schlicht Ewig. Viele wissen gar nicht, dass ich dabei bin. Wir sind absolute Newcomer und das ist es, was ich mit „ernst meinen“ zum Ausdruck bringen möchte: alles auf null, alles auf Anfang, alles neu, alles Ewig!

Wie wichtig war es, die Fäden selber in der Hand zu halten?
Ich hatte durchaus Zeit meines kreativen Lebens die Fäden in der Hand. Man hat mir nie etwas aufgezwungen. Ganz im Gegenteil. Ich hatte und habe ein Team, ein Management und das seit 15 Jahren. Das hat mich immer leben, wachsen und frei sein lassen! Das ist der Grund, warum mir heute auch nicht der Mut fehlt, etwas zu riskieren. Wenn man so ein Team hat, das einem den Rücken freihält, welches ebenfalls so kreativ und mutig ist, dann kann man tolle Sachen erreichen und sich immer treu bleiben, da man seinem Herz folgen kann.

Früher sangen Sie auf Englisch, mittlerweile auf Deutsch. Eine schwierige Umstellung?
Nein, einfach toll! Auch das Instrument „Stimme“ sollte sich verschiedener Klänge bedienen, ebenso wie es auch eine Gitarre oder ein Keyboard tut. Auf Deutsch klinge ich ganz anders als auf Englisch. Das ist wunderbar, ich habe die Chance auf einen neuen Sound durch die Sprache.

Welche Künstlerinnen prägten Sie hinsichtlich der deutschen Texte resp. Gesangs?
Ich denke, wir haben bei dieser Platte sehr tief in uns selber hineingeschaut und auch gesanglich jedes Wort beim Einsingen gelebt und empfunden. Somit steckten und stecken wir in unserem eigenen Mikrokosmos und wurden durch unser Leben und das Momentum des kreativen Prozesses inspiriert.
 
Inspirieren Sie andere deutsche Künstlerinnen?

Das Herz speichert alles, was es liebt und wovon es berührt wird. Hildegard Knef ist ganz groß! Bei „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ bekomme ich jedes Mal einen Kloß im Hals!
 
Als Schauspielerin schlüpften Sie des Öfteren (z.B. Tatort) in die Rollen von Sängerinnen. Könnte es Sie reizen, mal was ganz untypisches darzustellen? Eine Metzgerin oder ähnliches?

Warum nicht! Ich habe bis jetzt viele verschiedene Rollen spielen dürfen. Solange es eine charakterstarke Rolle ist, bin ich für alles offen.

Sie sind gebürtige Berlinerin. Wo fühlen Sie sich in der Stadt am wohlsten?
Ganz einfach: zu Hause. Und das ist da, wo meine Liebsten sind.

Mal abgesehen davon, dass die Stadt sich immer verändert hat, wie betrachten Sie die Entwicklungen der letzten Jahre? Einerseits wird die Stadt immer internationaler, andererseits gilt es, einen hohen Preis dafür zu bezahlen, Stichwort Gentrification…
In jedem Fall ist Berlin sexy, nach wie vor. Und das sehen nicht nur die Berliner so, sondern gerade auch viele Menschen weltweit. Das ist zumindest die Erfahrung, die ich gemacht habe, wenn ich – wo auch immer – auf meine Heimatstadt angesprochen wurde. Und nach meiner Erfahrung ist Berlin, verglichen mit den meisten anderen Metropolen, immer noch preiswert. Versuchen Sie mal, in London eine Wohnung zu mieten…  Aber das ist schon ein Problem, weltweit.

Und wo sind Sie beim Fußball zu Hause: Hertha oder Union ?
Hertha und Union !

Sie sind auch ehrenamtlich tätig. Sowohl in Klimaprojekten engagiert, wie auch für Straßenkinder. Wie kam es zu den Aktivitäten?
Beim DRK habe ich schon als Jugendbotschafterin angefangen, also schon sehr früh. Mein Beweggrund damals aber auch heute war und ist, dass ich in meinem Leben bislang sehr viel Glück gehabt habe, und davon ein bisschen zurückgeben möchte. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass alles, was man im Leben Gutes tut, auf andere Art und Weise zu einem selber zurückkommt. Und schließlich: Es macht einfach auch Spaß!

Interview: Ronald Klein

Ewig spielen am 17. November 2012 im C-Club

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