Siebdruck

Exklusive Siebdruckedition: ATAK – „Stillleben mit Eule und Fernsehturm“

Exklusive Siebdruckedition: ATAK -

„Die geräumige Wohnung in einem weniger angesagten Teil von Prenzlauer Berg dient ATAK zum Leben und Arbeiten. Der freundliche Endvierziger empfängt in seiner bunten Welt mit Kaffee und Schokoküssen. Überall sind Bilder. In der Küche Kissen mit seinen Illustrationen, Acrylgemälde an den Wänden, Poster, Kalender, Bücher, Entwürfe, Skizzen und Zeichenblöcke. Ein geordnetes Chaos aus Kunst, Zeichenmaterialien, Schallplatten und Comic-Devotionalien, etwa den kuriosen „Tim und Struppi“-Figuren aus Afrika.
Geboren wurde Georg Barber 1967 in Frankfurt an der Oder. Die Eltern förderten seine Zeichenleidenschaft, beide hatten schließlich mit Kunst zu tun, die Mutter gestaltete Textilien, der Vater war Lehrer für Deutsch und Kunsterziehung. Als Junge  liebte er Fußball und Comics, in der DDR gab es aber nur die „Mosaik“-Reihe, einen „Asterix und Obelix“ oder „Lucky Luke“ bekam man selten. Doch Not macht erfinderisch. „Ich hab viel von den West-Comics abgezeichnet und auch eigene ,Lucky Luke‘-Hefte produziert“, erinnert er sich. 1984, direkt nach der Schule, ging er nach Ost-Berlin, begann dort eine Lehre als Schrift- und Grafikmaler und musste nach vorgefertigten Entwürfen meist SED-Politpropaganda abmalen.
„Dabei war ich damals Punk“, sagt ATAK. Die Subkultur prägte ihn, er hing in der Rummelsburger Erlöserkirche ab, dem Punktreff schlechthin, und spielte Bass in einer Band, obwohl er Bass nicht spielen konnte. Es ging um den Krach. Aus der Punkzeit stammt auch sein Pseudonym: ATAK. Punk und Comic gehörten für ihn stets zusammen und Comics waren sein Ventil während der Armeezeit. „Dort habe ich mit einem Kumpel das Fan­zine ,Renate‘ gegründet.“ Die bis heute aktiven Berliner Zeichner CX Huth und Peter „Auge“ Lorenz schlossen sich an. Nach der fünften Nummer der „Renate“ stieg ATAK aus. Künstlerisch reizte ihn das Konzept nicht mehr, er begann parallel zum Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule der Künste mit eigenen Projekten. Es erschienen „Alice, küss den Mond, bevor er schläft“ und die ersten Bände der Comicreihe „Wondertüte“. Zeichner aus dem Osten waren plötzlich gefragt. „Weil wir nicht mit dem Comickanon aufwuchsen, waren wir im Umgang mit dem Medium Comic viel offener und kreativer“, sagt er. Comics zu machen war für ihn in den Neunzigern ein künstlerisches Statement, weil sich damals niemand für die Kultur interessiert hat. Das änderte sich langsam, aber stetig. ATAK machte als erster Zeichner einen Comicstrip für die „Zeit“, in der „Berliner Zeitung“ arbeitete er mit dem Berliner Autor Ahne regelmäßig zusammen.

ATAK in seinem Atelier

Trotz der Aufträge standen seine Prioritäten fest, vor allem seine künstlerische Eigenständigkeit. „Anfangs war man froh, dass man überhaupt gedruckt wurde. Gab es dafür ein Honorar, schön, aber wichtig war die Freiheit, dass keiner einem in die Arbeit reinredet. Mittlerweile kann ich mir die Projekte aussuchen, das ist ein Luxus, aber das hat auch 20 Jahre gedauert, bis es so weit war.“
Nur Künstler zu sein reichte ihm sowieso nicht. Er verkaufte Comics im Laden Grober Unfug, illustrierte Bücher, etwa Mark Twains „Der geheimnisvolle Fremde“, und begann um 2004 eine Laufbahn als Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg, wo er Comic und Illustration unterrichtete. ATAK ging den langen Weg vom Punk zum Professor. Nach einer Station in Gent blieb er in Halle und lehrt dort bis heute, mit Leidenschaft. „Die Kunsthochschule ist der einzige Ort in der Gesellschaft, wo das Anderssein toleriert wird“, findet er. Seinen irrwitzigen, bunten, mal grotesken, mal absurden Stil hat er sich bewahrt, obwohl er nie um einen eigenen Stil bemüht war. „Jedes Buch, jedes Bild, jedes Projekt sollte anders sein, weil man immer einen anderen Fokus hat. Der Stil ist im besten Fall die Treue zu sich selbst“, fasst er zusammen und ergänzt: „Ich komme nicht nur vom Punk, sondern ein bisschen auch vom HipHop, und die Technik des Samplings ist wichtig für mich. Visuelles Sampling. Man nimmt verschiedene Stücke und mixt sie zu einer neuen Einheit. In meinen Bildern beziehe ich mich immer auf Sachen.“
Auch für „Stillleben mit Eule und Fernsehturm“, nach Kat Menschiks „Berlin Wild Life“ die zweite tip-Siebdruckedition, bedient sich ATAK der Sample-Technik. Die Blumenvase verweist auf „Tim und Struppi“, doch der Drache scheint sich von ihr abzulösen, durch das Fenster sieht man den Fernsehturm vor flammendem Himmel. „Ich mag den Fernsehturm, als Form ist er einfach schön“, gibt er zu. Links von der Vase die kleinen Bilder, Verbeugungen vor großen Zeichnern wie Georg Grosz und Tove Jansson, daneben die Eule als Symbol für Weisheit. Alles fügt sich ineinander. ATAK ist ein Virtuose des Bilder-Samplings und sein Werk ein echter Berlin-Sampler.

Text: Jacek Slaski

Fotos: ATAK, Gerd Metzner

tip-Siebdruck-Edition Nr. 2:

Die Edition „Stillleben mit Eule und Fernsehturm“ von ATAK (Siebdruck, Auflage 99 Stück, signiert und nummeriert) hat ein Format von 70 x 50 cm. Jedes Exemplar kostet 99 Euro zuzüglich Versand.

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