Krabbeltiere

Exotische Insekten in Berlin: Die 5 fiesesten Viecher der Stadt

Bizarre Wesen und merkwürdige Gestalten gibt es in Berlin genug. Aber was ist eigentlich mit den wirklich fiesen Viechern der Stadt? Die gibt es nämlich auch. Sie krabbeln, summen, fliegen. Und das zuletzt ziemlich gut: Der vergangene Berliner Sommer war heiß und trocken. Der folgende Winter: mild, dann der Frühling warm. Das freut Mücken, Zecken und andere Plagegeister. Dabei haben sich zu den heimischen Arten neue gesellt. Inzwischen fühlen sich exotische Insekten in Berlin wohl.

Hier sind die fiesesten Viecher der Stadt, die wir im Auge behalten sollen. Das tun die mit uns nämlich auch.

Passiv-Aggressiv: Eichenprozessionsspinner quälen alle

Exotische Insekten in Berlin: Zu den 5 fiesesten Viechern der Stadt gehört die Tigermücke.
Eichenprozessionsspinner sind gefährlich für Menschen und Bäume. Foto: imago/Blickwinkel

Die Raupen des Nachtfalters bilden ihre Kommunen vornehmlich an Eichen. Dort hängen sie zusammen mit bis zu 30 Artgenossen aufeinander herum. Nachts schieben sie sich in schaurigen, meterlangen Fress-Prozessionen an den Stämmen bis in die Kronen empor. Dabei können die nimmersatten Raupen ganze Bäume kahlfressen. Aber auch für Menschen können sie gefährlich werden.

Angriffstaktik

Die Raupen des Insekts sind passiv-aggressiv. Die unzähligen, feinen Brennhaare der Raupe sind mit Widerhaken und dem Nesselgift Thaumetopein bestückt. Wer da reinfasst oder von einem der leicht abbrechenden und durch die Lüfte schwirrenden Haare erwischt wird, muss leiden.

Schaden

Die Härchen verursachen die sogenannte Raupendermatitis: ein Potpourri aus Hautentzündungen, Juckreiz und Atemwegsproblemen, Schwindel, Fieber und Bindehautentzündungen. Wer nicht zum Arzt geht, plagt sich im schlimmsten Fall bis zu zwei Wochen mit den Symptomen herum.

Gefahrenpotenzial

Nicht nur Deutschlands Wälder ächzen momentan unter den Raupen, deren Bevölkerung zum Sommerbeginn geradezu explodiert ist. Gerade in der Nähe von Spielplätzen und Schulen sind bereits Sonderkommandos gegen die haarigen Viecher angerückt. In Berlin musste letzten Sommer der Wasserspielplatz „Plansche Plänterwald“ dicht machen, nachdem ahnungslose Kinder und Erwachsene Opfer der Raupen mit ihren Gifthaaren wurden.


Schmarotzer: Zerkarien sind Parasiten

Die wasseraffinen Saugwürmer-Larven befallen Wasservögel und entwickeln sich in ihren Körpern weiter. Ihre Eier werden mit dem Kot ausgeschieden. Die geschlüpften Baby-Larven suchen sich dann Schnecken als Zwischenwirte. Als herangereifte Zerkarien verlassen sie diese bei angenehmen Wassertemperaturen wieder und machen sich erneut auf die Suche nach Wasservögeln.

Angriffstaktik

Zerkarien haben es eigentlich gar nicht auf den Menschen abgesehen. Doch ein verrückter Zufall der Natur will, dass die menschliche Haut gleichwertig attraktive chemische Reize erzeugt wie die der Ente. Da kommt die Zerkarie schon mal durcheinander und bohrt sich in den falschen Wirt. Ein Irrtum, für den sie mit ihrem Leben bezahlt.

Schaden

Wenn es einen zum ersten Mal erwischt, muss man mit kleinen, roten, juckenden Flecken rechnen. Die werden bei erneutem Befall zu Quaddeln mit starkem Juckreiz. Der Gang zum Arzt ist meist nicht notwendig, denn unser Immunsystem erledigt den Eindringling.

Gefahrenpotenzial

Viele Wasserpflanzen, viele Wasservögel, hohe Wassertemperaturen – das mögen die Zerkarien! Der Müggelsee hatte bereits im vergangenen Jahr Probleme, deswegen hat das Lageso trotz guter Wasserqualität kürzlich schon mal vorgewarnt. Daher sollte man Hauptwirte wie Enten nicht mit Brotkrumen ans Ufer locken und sich nach dem Baden ordentlich mit dem Handtuch abrubbeln.


Blutrünstigen Jäger: Die Hylomma-Zecke sieht aus wie eine Warnung

Exotische Insekten in Berlin: Zu den 5 fiesesten Viechern der Stadt gehört auch die Hyalomma-Zecke.
Hyalomma-Zecken gehen aktiv auf die Jagd. Foto: Adam Cuerden / Wikimedia Commons / Gemeinfrei

Mit einer Länge von bis zu zwei Zentimetern ist Hylomma drei Mal so groß wie der Gemeine Holzbock, die hier heimische Zecke. Außerdem sind ihre Beine braun-gelb gestreift – für die Tierwelt typische Warnfarben.

Angriffsstrategie

Während sich der Holzbock von Grashalmen oder Buschzweigen abstreifen lässt, wenn Wirte vorbeikommen, geht die Hyalomma-Zecke auf die Jagd. Hat der flinke Blutsauger erst einmal ein Opfer ins Visier genommen, verfolgt er es bis zu 100 Meter weit.

Schaden

Die Zecken können das Krim-Kongo-Fieber und das Arabisch Hämorrhagische Fieber übertragen. Beide Viruserkrankungen verursachen hohes Fieber, starke Blutungen und können tödlich enden.

Gefahrenpotenzial

Bisher war das Spinnentier blinder Passagier von Zugvögeln aus Afrika, Asien und Südeuropa. Doch im letzten Jahr hat sie es zum ersten Mal geschafft, hierzulande zu überwintern. Um sich richtig anzusiedeln, müssten jedoch Männchen und Weibchen zusammenkommen. Bislang sind in Deutschland nur wenige Hyalomma-Zecken gefunden worden. Keine hat die gefährlichen Erreger in sich getragen. Also (noch) kein Grund zur Panik!


Feinde in unseren Betten: Bettwanzen als Folge der Reiselust

Reisende haben Bettwanzen aus dem Urlaub mitgebracht.
Reisende bringen Bettwanzen gewöhnlich aus dem Urlaub mit. Foto: imago/Science Photo Lab

Ihre Zunahme hierzulande ist zwar keine Folge des Klimawandels, hat aber die gleiche Ursache wie die Erderwärmung: unsere ausufernde Flugreisetätigkeit. Bettwanzen sind das Mitbringsel, das niemand haben will. Man kann sie sich im Hostel ebenso wie im Sternehotel einfangen, im Flugzeug wie in der Bahn. So gesehen müssten sie jetzt eigentlich Coronavirus-bedingt auch seltener vorkommen — mal sehen. Sie lauern im Bettgestell, hinter der Steckdose oder nisten sich in der Ritze zwischen Handy und Hülle ein.

Angriffstaktik

Bettwanzen kriechen nachts aus ihren Gruppenverstecken hervor und dann über ihr schlafendes Opfer, auf der Suche nach einem geeigneten Blutgefäß. Sie beißen mehrmals zu und kreieren sogenannte Wanzenstraßen auf den Körpern der Schlafenden.

Schaden

Die Stiche der Bettwanze hinterlassen juckende, gerötete Pusteln. Manche Menschen zeigen erst nach wiederholtem Stechen Hautirritationen. Nicht zu vernachlässigen ist der Psychoterror: Viele kleine Tierchen lauern im eigenen Bett, ja, in der kompletten Wohnung! Kleiner Trost: sie übertragen keine Krankheiten.

Gefahrenpotenzial

Gerade Städte wie Berlin, die bei Jetsettern beliebt sind, verzeichneten in den letzten Jahren einen Anstieg der hartnäckigen Blutsauger. Zugleich ist das Wissen um die Bettwanzen gesunken. Wer stellt schon seinen Koffer im Hotel erstmal auf den Tisch und sucht dann das Zimmer nach Wanzenkot ab? Oder inspiziert sorgfältig seinen gekauften Vintage-Sessel, bevor er ihn in die Wohnung stellt? Denn der Gebrauchtwarenhandel ist Mitverursacher dafür, dass sich die Blutsauger immer weiter verbreiten. Hat man sich die Bettwanze einmal ins Haus geholt, wird man sie so schnell nicht wieder los. Bei Verdacht sollte man schnell den Kammerjäger holen. Und selbst dieser muss in der Regel mindestens zwei Mal anrücken. Eine gesunde Paranoia bei der nächsten Reise oder beim Flohmarktbesuch ist also nicht verkehrt!


Der getigerte Blutsauger: Drei Mücken stechen auf neuem Level

Exotische Insekten in Berlin: Die Tigermücke gehört zu den fiesesten Viechern der Stadt
Die Tigermücke ist eine unberechenbare Virenschleuder. Foto: James Gathany, CDC / Wikimedia Commons / Gemeinfrei

Als hätten wir mit unseren mehr als 50 heimischen Stechmückenarten nicht schon genug Ärger, ist seit einiger Zeit ein asiatisches Trio auf dem Vormarsch: die Asiatische Tigermücke, die Japanische Buschmücke und die Koreanische Buschmücke. Die gefährlichste der drei Mückenarten ist die schwarz-weiß gemusterte Tigermücke. Sie zeichnet sich durch ihre Aggressivität und Vielseitigkeit aus. Über 20 Krankheitserreger kann sie aufnehmen und übertragen. Da sie mehrere Menschen hintereinander sticht, ist sie eine unberechenbare Virenschleuder.

Angriffstaktik

Die Asiatische Tigermücke nähert sich ihrem Opfer nahezu lautlos und sticht blitzschnell zu. Und das sogar am helllichten Tag! Dabei geht sie äußerst penetrant vor und lässt sich selbst von Kleidung nicht hindern.

Schaden

Der Stich verursacht Schwellung und Juckreiz. Soweit normal. (Lebens)gefährlich kann das Biest werden, wenn es Erreger des Dengue-, Chikungunya- und Gelbfiebers oder des berüchtigten Zika-Virus in sich trägt. Ihre beiden Kollegen sind zwar nicht ganz so übel drauf, aber können Viren des West-Nil-Fiebers, Gehirnentzündungen oder Fadenwürmer übertragen.

Gefahrenpotenzial

Durch globale Warentransporte und Reisende eingeschleppt, haben sich die anpassungsfähigen Stecher vornehmlich im Süden Deutschlands angesiedelt. Berlin und Brandenburg sind noch sichere Gebiete, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Mücken auch bei uns einfallen. Gefährlich wird es, wenn sie auf mit besagten Krankheiten infizierte Menschen treffen und die Viren in ihren Körpern überleben. Momentan noch ein unwahrscheinliches Szenario, weil diese Krankheiten hierzulande kaum verbreitet sind und die Viren in den Körpern der Insekten nur schwer überleben.


Naturnah Berlin erleben

Keine Angst vor Insekten? Dann auf zu einer dieser 12 schönen Liegewiesen in Berlin: Hierhin zieht es uns, wenn die Sonne scheint. In einem der 30 schönsten Parks Berlins lassen sich übrigens auch Gottesanbeterinnen finden. Auch Berlins Wälder und Forste sind immer einen Ausflug wert. Oder wie wäre es mit einer Radtour durch Brandenburg?

Mehr über Cookies erfahren