Berliner Roman

Falko Hennig hat den „Rikscha Blues“

Der Berliner Schriftsteller Falko Hennig ist vieles: Lesebühnenautor, ­Faktensammler,  Bukowski-Kenner, Lebenskünstler. Und, ja: Rikscha-Pilot

Falko Hennig in seiner Rikscha

Was ist der Rikscha Blues? Ein trauriges Treten? Eine kaputte Kette?
„Rikscha Blues.“ Falko Hennigs neuer Roman heißt so. Sein erstes Buch seit einer ganzen Weile. Acht Jahre? Muss er nachdenken. Doch.

Sein Crowdfunding für „Rikscha-Blues“ hatte zwei Fundingziele. Das erste, 500 Euro: geschafft. Das zweite: 2 Millionen Euro; damit „wären die Leiden des Literaten der letzten Jahre kompensiert und ließe sich hoffen, dass weitere Werke Falko Hennigs erscheinen“: nicht ganz geschafft. 1.996.060 Euro fehlen noch.

Gleich das erste Kapitel ist der Oberkracher. „Brief an Rikscha-Taxi: Beschwerde über Ihren Angestellten Falko Hennig, Karlsruhe, 10. November“. Seitenlange Tiraden: „stank … penetrant“, „Skunk … Kette geraucht“, „keine Ahnung …, wo er sich befand“. Und: „ Dass dieser Touristenführer behauptete, ein prominenter Autor zu sein und viele Bücher zur Geschichte der Stadt geschrieben zu haben, ist ein Hohn.“

Natürlich ist das grotesk überrissen. Man weiß nur nicht genau: wie stark. Hennig sagt: „Am liebsten wäre mir, dass man Fiktion und Realität nicht unterscheiden könnte.“ Er sitzt in der Küche seiner Altbauwohnung, die voller abenteuerlich gezimmerter, proppenvoller Bücherregale ist und in einem früher mal besetzten Haus in Mitte liegt. Beste Lage, Lage, Lage.
Hennig, in Friedrichshain geborener Sportlehrersohn, zwei Töchter, ist einer jener Literaten, die schon so lange in der Berliner Lesebühnenszene unterwegs sind, dass man denkt: Die waren immer da. Seit 1995 bei der Reformbühne Heim & Welt. Mitbegründer der Bukowski-Gesellschaft, von „Radio Hochsee“. 1999 der Debütroman „Alles nur geklaut“. 30.000 DM Vorschuss für den Zweitling. Später Stress mit der Charité wegen derer 300-Jahre-Chronik. Er verteidigt in der Autorennationalmannschaft, misst per GPS-Uhr seine Laufkilometer. Joints nennt er „Sportzigaretten“. Seit zehn Jahren kein Alkohol. Lieferte sich auf Facebook mit Reformbühnen-Kollege Jakob Hein epische „Pollerwars“ um Likes für Poller-Fotos. Macht Stadtführungen. Und fährt seit 2016 Rikscha.

„Rikscha Blues“ ist ein sympathischer Berlin-Roman mit viel Stadtgeschichte, schrägen Storys, Rikscha-Philosophie und einer großen Liebe, deren Ende ein Wirkungstreffer in die Magengrube ist. Oft fühlt sich das Buch aber wie eine beachtlich offene Selbstverortung an. Finanziell komme er jetzt klar, sagt er. Langfristig seien die Aussichten „nicht so prickelnd.“ Hennigs Entscheidung: „Jetzt und im Alter arm sein – oder nur im Alter.“ Bald wird er 49.
Den Vielsammler und Tagebuchschreiber konnte man lange mit Notizbüchern beglücken, jetzt hat er genug. Literarisch nennt er sich „Collagist“. Collagen aus Fantasie und Wirklichkeit. Einer seiner Tweets: „Lese den Erdinger und Dorfener Anzeiger vom 16. und 18. Juni 1972 durch, bevor ich ihn zum Altpapier tue.“
Falko Hennig in einem Satz.

Rikscha Blues von Falko Hennig, Omnino Verlag, 264 S., 18,99 €

Lesungskonzert: „Berliner Blues“ mit Falko Hennig (Rikscha Blues) und Manfred Maurenbrecher (Flüchtig) So 18.11., 20 Uhr, Roter Salon

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