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Ausflugsziele mit Babys für den Winter

Vaeterzentrum_c_Juergen-BlumeAuch wenn die Tage im Winter kürzer sind – für Mütter und Väter in Elternzeit sind sie ganz schön lang. Berlins Eltern muss­ten den Spielplatzbesuch schon vor Monaten aus dem Tagesprogramm streichen. Auf den Schaukeln und Rutschbahnen türmen sich Schneehaufen, die Sandkästen sind zugefroren und von den Klettergerüsten hängen Eiszapfen. Auch ausgedehnte Spaziergänge machen bei diesem Schmuddelwetter keinen Spaß. Irgendwie raus muss man aber trotzdem. Nur wohin? Gleichaltrige Freunde stecken tagsüber meistens im Berufsstress.

„Zu Hause fällt mir die De­cke auf den Kopf“, erzählt Monika Meier. „Aber einfach so drauflosstreunen wie Sommer, das geht eben nicht. Man braucht ein Ziel.“ Zweimal die Woche steuert die 39-Jährige mit ihrer Tochter Katharina ein solches Ziel an. In der Kiezoase in Schöneberg treffen sich die beiden mit neun anderen Eltern und deren Kindern zum Frühstücken, Singen und Spielen. Die „Etage“ ist eine feste Eltern-Kind-Gruppe. Und wer von den Erwachsenen vormittags zum Friseur möchte oder auf die Bank muss, der kann sein Kind auch mal für ein, zwei Stunden hier bei der Betreuung lassen.

Sich in der Woche zum Frühstücken treffen, ist sehr beliebt unter Berlins Eltern in Elternzeit. „Wenn man möchte, kann man an jedem Tag der Woche irgendwo brunchen gehen“, sagt Markus Schmidt (Name geändert, d.Red.). An diesem Donnerstagmorgen frühstückt er mit seinem zehn Monate alten Sohn im Väterzentrum im Prenzlauer Berg. Das von der Senatsverwaltung für Bildung geförderte Väterzentrum ist die bisher einzige Einrichtung nur für Väter in Berlin. Am Eingang stapelt sich winterfestes Outdoor-Schuhwerk. Sechs Väter in Socken spielen mit ihren Kinder auf dem Boden und unterhalten sich. An der Wand ist ein Tisch mit Kaffee und Brötchen aufgebaut. Markus Schmidt ist eigentlich Berater bei einer Software-Firma. Doch seit vier Monaten kümmert er sich Vollzeit um seinen Sohn. Vier Monate bleiben ihm noch, bis er wieder arbeiten gehen wird. Mit acht Monaten in Elternzeit gehört Schmidt zu den knapp 20 Prozent der Berliner Väter in Elternzeit, die mehr als zwei Monate aus ihrem Beruf aussteigen. Ende des vergangenen Jahres zählte das Statistische Bundesamt Berlin rund 2700 Männer, die Elterngeld in Anspruch nahmen. Mehr engagierte Väter in Deutschland gibt es nur noch in Bayern, und die Zahlen von Männern in Elternzeit steigen.

KinderwagenkinoEin bisschen Pech hatte Markus Schmidt schon. Denn die Monate mit seinem Sohn fallen komplett in die ungemütliche Winterzeit. Aber dem 32-Jährigen scheint das nichts auszumachen. Wenn er mal keine Lust hat, brunchen zu gehen, dann zieht es ihn ins Kinderwagen­kino im Babylon. Jeden Mittwochvormittag gibt es extra eine Filmvorführung für Mütter und Väter mit kleinen Kindern. Die Kinderwagen werden neben den Sesseln abgestellt. Die meis­ten Babys schlafen, einige von den etwas älteren krabbeln auf dem Boden herum. Der Ton ist in Zimmerlautstärke, und es ist auch nicht ganz so dunkel wie sonst im Kino. „Natürlich zeigen wir keine Action- oder Horrorfilme“, sagt Timothy Grossman, der Geschäftsführer des Babylon. „Im Januar lief zum Beispiel der neue Woody Allen.“ Fast jede Woche im Winter fahren mehr als 60 Kinderwagen in den Kinosaal in Mitte ein.

Frühstücken gehen oder mal ins Kino, damit sind zwar die Vormittage gut überbrückt, aber der Tag ist noch längst nicht um. Monika Meier und viele der anderen Mütter in der Kiezoase verbringen oft ganze Nachmittage in einer Shoppingmall, etwa am Potsdamer Platz. „Da ist es schön warm. Ich ziehe mit meiner Tochter von Geschäft zu Geschäft und zum Mittagessen gehe ich zum Asia-Imbiss“, sagt sie. Markus Schmidt hat sich die Mamicard für den Berliner Zoo und das Aquarium gekauft. Die gibt es nämlich auch für Väter. „Oder ich gehe ins Museum“, erzählt er, nimmt seinen Sohn auf den Schoß und hilft ihm mit dem Brötchen. „Das Naturhistorische Museum ist toll. Da kann der Kleine alles anfassen.“ Kinderwagen sind in so gut wie allen Berliner Museen erlaubt. Nur Stoßzeiten, etwa am Wochen­ende, sollte man meiden. Aber als Mutter oder Vater in Elternzeit kann man sich ja auch einfach mal an einem Dienstagnachmittag eine Ausstellung anschauen.

Text: Katharina Wagner
Fotos: Jürgen Blume, Judith Triebel/tip

Papa-Laden
Marienburger Straße 28, Prenzlauer Berg, Tel. 28 38 98 61,

Kinderwagenkino im Babylon
Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte, Tel. 242 59 69,
Mi 11 Uhr, Eintritt: 6,50 Ђ,

Kiezoase Schöneberg
Barbarossastraße 65, Schöneberg, Tel. 21 73 02 02

Mamicard ist ein Jahr lang gültig und kostet 24 € für Zoo und Aquarium (nur Zoo: 12 €). Beim Ausstellen der Karte darf das Kind nicht älter als drei Monate sein, Personalausweis und Geburtsurkunde müssen vorgelegt werden. Die Mamicard gibt es auch für Papas: Die müssen dann nachweisen, dass sie in Elternzeit sind und die Mütter müssen eine Verzichtserklärung unterschreiben.

Museen Einfach beim Besucherdienst telefonisch erkundigen, wie barrierefrei das jeweilige Museum ist. Im Hamburger Bahnhof, in den staatlichen Museen, im Martin-Gropius-Bau und im Haus der Kulturen der Welt sind Kinder­wagen erlaubt.

 

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