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Berlin für Kinder bei schlechtem Wetter

ZeissGrossPlanetariumDie größte Sorge des dicken Galliers Obelix war, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt. Ganz ähnlich verhält es sich mit den minderjährigen Anhängern des Hinkelsteinlieferanten, denen in kalten, dunklen Herbst-Wintertagen zu Hause manchmal die Decke auf den Kopf zu plumpsen droht. Dieses unbeugsame Völkchen zu unterhalten, ist vor allem für deren Eltern eine Aufgabe, für die sie sich häufig einen Zaubertrank wünschen würden.
Eine ganz besondere Decke, vor deren Einsturz sich niemand fürchten muss, hält das Zeiss-Großplanetarium bereit. Unterm Sternenzelt warten gleich drei speziell für Kinder konzipierte Programme auf neugierige Entdecker. Mit dem für Kinder ab sechs Jahren vorgesehenen Programm „Im Jahreskreis der Sonne“ erfahren die kleinen Gäste viel über den Lauf der Sonne, wie sich die Natur dazu verhält und wie der Stand des Großen Wagens die Jahreszeit verrät. Die kindliche Wissbegierde nimmt philosophische Züge an, wenn es bei der Gelegenheit dann schnell um die Frage geht, warum es die Welt überhaupt gibt, wie die Sonne entstanden ist oder was wohl schwarze Löcher sind.

Ebenso naturwissenschaftlich und mindestens genauso interessant dürfte für die Nachwuchsforscher ein Ausflug zum Potsdamer Exploratorium sein. Vor nicht mal fünf Jah-ren von Eltern gegründet, wird das Experimentier-Museum seitdem mit Lob überhäuft und unter anderem als „Leuchtturm für eine Kultur der Nachhaltigkeit“ gefeiert. Über 130 Exponate und verschiedene Kurse klären Kinder anschaulich über die Geheimnisse der Wissenschaft auf, wobei man im Exploratorium selbst Solarzellen bauen oder Tornados erzeugen kann. Das Programm verändert sich kontinuierlich, so bekommen die Kinder seit Kurzem in einem neuen Kurs erklärt, wie sie aus einer Zitrone eine Batterie bauen oder sich zu Halloween einen fiesen Schleim mischen können.

Eine andere Erscheinung der Natur, den Dschungel, kennen die meisten Kinder nur aus Film und Fernsehen, wo sie mit Helden wie Mogli und Balu aus Walt Disneys „Dschungelbuch“, einem der vielen Tarzane oder den possierlichen „Madagaskar“-Viechern mitzittern. Das „Dschungel“-Thema hat die Deutsche Kinemathek nun mit ihrer aktuellen, gleichnamigen Kinder-Ausstellung aufgegriffen, die zu echten Expeditionen einlädt. So können gleichermaßen neugierige wie abenteuerlustige Nachwuchsforscher einen Wissens-Parcours absolvieren, in dem zahlreiche Fragen beantwortet werden müssen. Wer sich mit der Ausstellung genauer beschäftigt hat, dürfte damit aber keine Schwierigkeiten haben und weiß beispielsweise, dass Schauspieler beim Dreh im Dschungel sozusagen die Rolle von Zootieren übernehmen: Geschützt durch sie umgebende Käfige stellen plötzlich auftauchende wilde Tiere praktisch keine Gefahr mehr für sie dar. Am Ende erhält jeder kleine Museumsbesucher, der den Parcours durchlaufen hat, einen schicken Hardcover-Ausweis, der den freien Kino-Eintritt ermöglicht: In einer die Ausstellung begleitenden Filmreihe im Kino Arsenal werden thematisch passende Filmklassiker gezeigt.

Kinder, die in Sachen Dschungel Feuer gefangen haben und Lust auf echte, eigene Erlebnisse bekommen, brauchen dennoch nicht weit zu reisen. Die Tropenhäuser des Botanischen Gartens oder der Biosphäre Potsdam bieten mit ihren riesigen Palmen oder Schlingpflanzen saisonunabhängige exotische Erlebnisse hautnah. Wer dazu das passende Getier erleben will, Krokodile, Echsen oder fremde Amazonas-Fische, der macht sich einfach auf ins Berliner Aquarium.
Zu einer Reise in die Vergangenheit laden dagegen das Deutsche Historische Museum mit seiner derzeitigen Mittelalter-, Burgen- und Ritter-Ausstellung ein als auch das Deutsche Technikmuseum, wo man die Vorläufer moderner Eisenbahn oder alte Druckmaschinen bewundern kann.
Doch immer nur gucken und staunen reicht den meisten Kindern als Beschäftigung irgendwann nicht mehr aus. Bewegungsfreudig, wie sie nun einmal sind, wollen sie sich auch körperlich einmal richtig auspowern. Da kommt das Familienangebot der Sportabteilung der TU Berlin gerade recht: Jeden Samstag und Sonntag können sich in der großzügig bemessenen TU-Sporthalle an der Waldschulallee Groß und Klein bei spontanen Mannschaftsspielen, Kletterübungen an Tauen und Sportgeräten oder Geschicklichkeits- und Balancespielen austoben. Wer es etwas nasser mag, der sollte die Spaßbäder der Berliner Bäderbetriebe kennen. Im Stadtbad Lankwitz kann man auf der 60-Meter-Wasserrutsche an neuen Abwärts-Rekorden feilen und sich im Kreuzberger Spreewaldbad sogar alle paar Minuten auf künstlichen Wellen treiben lassen. Und wenn man dann schon mal im Wasser ist: Warum nicht an einem der vielen Kurse der Berliner Bäderbetriebe teilnehmen? Hier kann man nicht nur sein Seepferdchen machen, sondern auch gekonnt kraulen lernen.

KnilchbarDer kindliche Drang, sich zu bewegen, war es auch, der Daniel Grützner von der Knilchbar in Friedrichshain einen Strich durch sein vorher erdachtes Raumkonzept machte. ?Ursprünglich hatte er geplant, die drei Räume seiner Eltern-Kind-Gaststätte einmal Kindern im Krabbelalter, dann Kindern im Kita- und Grundschulalter und schließlich den Eltern zuzuordnen. Doch „die Kinder halten sich nicht an die Regeln, die wir uns ausgedacht haben“, lacht Grützner. Sein Konzept habe sich als graue Theorie erwiesen und so „sitzen überall Eltern auf dem Boden und rennen überall Kinder durch die Gegend.“ In jedem Fall beschwert sich niemand über Kindergeschrei und die Eltern haben ihren Nachwuchs, der sich mit den vielen Spielsachen amüsiert oder am Klettergerüst turnt, in Sichtweite, während sie selber Kuchen oder Waffeln verputzen. Zwar hält auch die Knilchbar-Karte keinen gallischen Zaubertrank bereit, der Kinder davor schützt, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt, doch in dem allgemeinen Tumult, der hier herrscht, wird an derartige Sorgen ohnehin kein Gedanke verschwendet. 

Text: Denis Demmerle
Fotos: Zeiss-Großplanetarium, Christian Kruppa/Exploratorium Potsdam, Daniel Gruetzner: Die Knilchbar am Boxi.

 

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