• Familie
  • Das Atze Musiktheater feiert Geburtstag

Familie

Das Atze Musiktheater feiert Geburtstag

/ATZE_Bremer_Stadtmusikanten1_c_Joerg_Metzner.jpgDie Geschichte begann mit einem Knall. Damals, anno 1986, hatte Thomas Sutter eine Drei-Mann-Band, die mit einem Kinderliederprogramm auftrat. Alle Songs stammten von ihm selbst, ursprünglich geschrieben für die eigene Tochter, die nicht nur mit „Hänschen klein“ aufwachsen sollte. Bei jenem denkwürdigen Auftritt in der Amerika-Gedenkbibliothek jedenfalls zündeten die kostümierten Musiker zu einem Piratenlied eine Konfettikanone. Woraufhin sich die jungen Zuhörer derart begeistert auf die Schnipsel stürzten, dass die Darbietung im Tumult versank – und eine aufgebrachte Mutter sich empörte, ob es denn in Zeiten der Friedensbewegung angebracht sei, mit Schusswaffen dieser Art zu spielen. Wenn man so will, war dieses tolle Fiasko der Startschuss für das Musiktheater Atze, das heute, etliche Turbulenzen später, sein 25-jähriges Jubiläum feiert.

Sutters Band suchte bald nach einem festen Spielort, „wo die Leute wissen: Da wird Musik für Kinder mit anspruchsvollen Texten gemacht“, wie der Gründervater erzählt, „und nicht nur: Der Elefant rennt gegen die Wand“. Die Gruppe kam in der Schatzinsel am Schlesischen Tor mit einem Vormittagsprogramm für Schulen unter, das rasend beliebt und bald hoffnungslos überrannt war. So begann eine Spielstätten-Odyssee über die gesamten 90er-Jahre: Hebbel am Ufer, Haus der Kulturen der Welt, Kabarett Kneifzange an der Friedrichstraße, Kulturzentrum Russisches Haus – „Mann, das war starker Tobak“, stöhnt Sutter noch heute, ein Haus von Altstalinisten mit entsprechender Atmosphäre sei das gewesen. Irgendwo unterwegs wurde aus Atze, der Band, Atze, das rockende Kindermusiktheater. Mitte der 90er-Jahre schrieb Sutter sein erstes Stück, weil er erkannte, „dass man mit Theater noch besser, vielschichtiger erzählen kann“. Sein Wintermärchendebüt „Steffi und der Schneemann“ ist noch immer im Programm.

Eine bruchlose Erfolgsstory ist die Atze-Historie aber schon insofern nicht, als dass sich Sutter und seine spielfreudigen Mitmusikanten fast permanent mit Geldquerelen und übel gesonnenen Kultursenatsjurys herumschlagen mussten, wie er erzählt. 1999 sollten die Zuschüsse gar komplett gestrichen werden – die Kollegen vom Grips sprangen rettend mit einer Benefizvorstellung der „Linie 1“ ein. Heute hat Atze mit dem ehemaligen Max-Beckmann-Saal im Wedding einen bis auf Weiteres gesicherten Spielort. Und innerhalb der Kinder- und Jugendtheaterszene Berlins tut sich die Bühne mit ihrem Livemusik-Theater und instrumentensicheren Schauspielern hervor, die Kinderklassiker wie „Eine Woche voller SAMStage“ oder die „Bremer Stadtmusikanten“ ebenso beleben wie biografische Stoffe über Bach oder Einstein. Zudem hat Sutter in der jungen Sinem Altan eine musikalische Leiterin gefunden, die mit Stücken wie „Ayla, Alis Tochter“ oder „Keloglan und die 40 Räuber“ dem Haus die interkulturelle Note gibt. Fragt man Thomas Sutter, was er als größten Erfolg der vergangenen 25 Jahre betrachtet, entgegnet er, ohne zu zögern: „Dass ich es überhaupt geschafft, dieses Haus zu etablieren.“

Text: Patrick Wildermann

Foto: Joerg Metzner

Jubiläumskonzerte
„Atze rockt – Lieder aus 25 Jahren“: Sa 15.10., 18 Uhr (Premiere), So 16. + So 23.10., 16 Uhr
(Familienkonzerte),
Di 18., Mi 19. + Mo 24.10., 10.30 Uhr (Termine für Schulklassen)

Programmhighlights
„Die Bremer Stadtmusikanten“: Do 13. + Fr 14.10., 10 Uhr, Sa 15.10., 15 Uhr, Di 25. bis Do 27.10., 10 Uhr

„Ayla.Liebe.Hoffnung“ (Neuinszenierung von „Ayla, Alis Tochter“): Mi 19. bis Fr 21.10., 10 Uhr, Sa 22.10., 15 Uhr (kostenlose Veranstaltung
für Lehrer/innen)

„Keloglan und die 40 Räuber“: Mo 31.10. + Di 1.11., 10.30 Uhr

„Eine Woche voller SAMStage“: Mi 2. bis Fr 4.11., 10.30 Uhr

Spielort Atze Musiktheater Luxemburger Straße 20, Wedding, www.atzeberlin.de

Mehr über Cookies erfahren