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Das Festival theater 2+ in der Schaubude Berlin

Silvia Brendenal hat an der Schaubude Vorarbeit geleistet. Heute haben viele Berliner Kinder- und Jugendtheater Vorstellungen für die Allerjüngsten im Programm. Aber vor 13 Jahren, als Brendenal ihr erstes Festival mit Kunst für die Kleinsten veranstaltete, war das Genre hierzulande längst nicht durchgesetzt. Wobei die Theaterleiterin selbst ihre Verdienste gar nicht zu hoch hängen will. Sie hätte damals schlicht unter Zugzwang gestanden, sagt sie. Ein Haus für Puppen-, Figuren- und Objekttheater wie die Schaubude werde in der Außenwahrnehmung eben als Bühne für die Knirpse verbucht. Ungeachtet des Erwachsenenspielplans, den sie an der Greifswalder Straße ebenso hingebungsvoll pflegen. „Unser Publikum wurde immer jünger“, erzählt Brendenal. Also hieß es, aus der Realität eine Tugend zu machen.

In den Nachbarländern hat das Spiel für die Zielgruppe der Zweijährigen eine größere Tradition. In Frankreich etwa hat die Künstlerin Agnиs Desfosses dieses „Theater von Anfang an“ populär gemacht. Von Desfosses’ Arbeiten wurde auch Silvia Brendenal entflammt. Sie schwärmt noch heute von einer Inszenierung wie „Sous la table“, die sich auf hohem Niveau mit der Lust am Laufen auseinandersetzt – und „die Biografien der kleinen Zuschauer sehr ernst nimmt“, so Brendenal.
Von wegen Kinderkram. Die Schaubuden-Leiterin hat einmal, während eines Festivals für Erwachsene, um 22 Uhr das Stück „Uccellini (Vögelchen)“ der Gruppe Skappa! gezeigt. Eine Zeichenperformance für Menschen ab zwei Jahren. Ob sie das vorher ankündige, wollte die Regisseurin wissen. „Nein, wieso?“, entgegnete Brendenal nur. Die Zuschauer, erzählt sie, hätten die Einladung zum Fantasieren, Fabulieren und Entdecken beglückt angenommen. „Wenn unser Mittun gefragt ist, dann funktioniert’s. Egal, wie groß oder klein man ist.“

Zur Neuauflage ihres internationalen Festivals theater 2+ an der Schaubude hat Brendenal nun ausschließlich Künstler eingeladen, die sich bereits seit Jahrzehnten in diesem Genre bewähren. Den Auftakt machen Melanie Florschütz und Michael Döhnert mit ihrem Stück „Mit Pauken & Trompeten“ – zwei erprobte Schaubuden-Künstler, die als Pioniere die ersten Arbeiten für die Allerjüngsten inszeniert haben. Freilich weitet das Festival den Blick über Berlin hinaus: mit der belgisch-italienischen Produktion „Kleine Gefühle / Piccoli Sentimenti“ zum Beispiel, die den Kindern die Welt der Emotionen spielerisch erschließt. Oder mit der dänischen Inszenierung „Ich Du Wir“, einer Tanzperformance in einer Installation aus Musik, Licht und Klang. Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt.

Und noch eine Besonderheit gibt es: Beim Gastspiel der französischen Compagnie Lili Dйsastres mit dem Stück „Voll kleiner NICHTSe“ wird Brendenal vom französischen Kulturminister Frйdйric Mitterand ein Verdienstorden verliehen. Im Rahmen einer Galavorstellung um 20 Uhr. Die Theaterleiterin frohlockt jetzt schon: „Da werden wieder alle vergessen, dass es ein Stück für Kleine ist.“ 

Text: Patrick Wildermann
Foto: Loren Kahn/Puppet & Object Theatre


theater 2+
Internationales Festival des Puppen-, Figuren- und Objekttheaters für Zuschauer ab 2 Jahren
Schaubude Berlin, Karten-Tel. 423 43 14
28.9.–4.10.,

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