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Die Freie Naturschule Stadtgut Blankenfelde

Schüler der Freien Naturschule Im Schulraum stehen die Türen zum Garten offen und eine kleine Gruppe Kinder läuft barfuß herein. Auf dem Holzdielenboden hinterlassen sie Grashalme, dann sind sie auch schon wieder draußen. Eigentlich sind Ferien an den Berliner Schulen, doch in der Naturschule herrscht trotzdem Betrieb. Die lernfreie Zeit soll genutzt werden, um die Schule umzubauen und zu erweitern, da helfen viele Eltern und bringen auch die Kinder mit auf das Grundstück. Die Freie Naturschule ist am nördlichen Rand von Pankow gelegen und orientiert sich am Prinzip der Waldkindergärten: Gelernt wird hauptsächlich draußen. Auch die Räume schließen die Natur mit ein. Auf den Fensterbänken stehen Blumen. Die Tische und Stühle sind aus naturbelassenem Holz. Daniela Hoffmann ist Mitbegründerin der Schule. Ihre Tochter Enna ging, wie die Kinder der etwa sechs anderen Schulgründer, in den Waldkindergarten in Pankow, dessen Nachmittagsbetreuung auf der linken Hälfte des kleinen grauen Gutshauses im Stadtgut untergebracht ist. Die rechte Seite wurde zur Schule umgebaut. Eine staatliche Grundschule kam für die Freiberuflerin, wie für viele andere Eltern des Kindergartens, nicht in Frage. Teils noch von den Erfahrungen der eigenen Schulzeit geprägt, teils durch ältere Geschwisterkinder von staatlichen Schulen enttäuscht, beschlossen sie, selber eine Schule zu gründen. „Wir träumten von einer Schule, die den Kindern genügend Freiraum gibt, sich zu entfalten, die jeden Einzelnen so fördert, wie er es braucht und ihm die Möglichkeit bietet, im Einklang mit der Natur zu leben und zu lernen“, sagte Hoffmann. Eröffnet wurde die Schule 2007 mit drei Lehrern: Biologe Hagen Stenzel, Diplom-Psychologin und Montessori-Pädagogin Johanna Etzold und Grundschullehrer Jan Küster sind die Bezugspersonen der Kinder. In diesem Schuljahr kommen noch eine Grundschullehrerin und eine weitere Erzieherin hinzu. Schüler der Freien Naturschule als ErntehelferDer Unterricht ist nicht klassisch in Fächer aufgeteilt, sondern findet frei statt. Zahlenspiele aus Holz, Montessori-Materi- alien und Rechenschieber liegen in den Regalen bereit und laden zum fächerüber- greifenden Lernen ein – am besten draußen im verwilderten Garten. Die Kinder lernen in der täglichen Stillarbeit und in Projektzeiten selbstständig, können sich mit Fragen oder Ideen aber immer an die anwesenden Lehrer und Betreuer wenden. „Wenn die Kinder nicht in ein selbstständiges Arbeiten kommen, geben wir ihnen Anregungen und versuchen so zu leiten“, so Hoffmann. Viele Fächer wie Musik, Sport oder Sprachen werden in Form von Projekten angeboten, aus denen die Kinder frei wählen können. Außerdem geben viele Eltern nachmittags Kurse wie Yoga oder Töpfern. Häufig lernen die Jüngeren auch von den älteren Kindern. Im Alter zwischen fünf und elf Jahren arbeiten sie in zwei Gruppen: Erste bis dritte und vierte bis sechste Klasse. Insgesamt besuchen ab September 32 Kinder die Schule. Das Schulgeld beträgt 110 Euro im Monat, Geschwisterkinder zahlen nur die Hälfte. Genau so frei wie das Lernen der Kinder gestaltet ist, sind auch die pädagogischen Konzepte, die hinter der Schule stehen: Es handelt sich um eine Kombination der Lehren von Montessori, der Ideen von Rebeca und Mauricio Wild sowie Methoden des selbstorganisierten Lernens nach Cйlestin Freinet. „Wenn uns eine Theorie nicht gefällt, oder wir das Gefühl haben, sie führt ins Leere, gehen wir die Dinge anders an“, so Hoffmann. Diese flexible Herangehensweise und die Fähigkeit auf die eigene Intuition zu vertrauen, sollen auch die Kinder lernen. Dabei folgt die Schule dem Rahmenplan für Berliner Grundschulen. „Bei Kindern, die von Anfang an in die Naturschule gehen, funktioniert das Konzept sehr gut. Kindern, die von einer Regel- auf die Naturschule wechseln, fällt es oft schwer, plötzlich selbstständig zu arbeiten“, beobachtet Daniela Hoffmann. Doch auch für die Eltern ist es teilweise nicht leicht, den Kindern die nötige Freiheit zu geben. „Für einige Eltern ist es schwierig, darauf zu vertrauen, dass ihr Kind freiwillig lernen will, und dass das Vorbild der anderen Kinder in schwierigen Zeiten positiv auf sie wirkt“, sagt Daniela Hoffmann. Aber auch die Eltern und Lehrer lernen: In einigen Wochen nehmen sie beispielsweise an einem Kurs für gewaltfreie Kommunikation teil.


Text:
Jasmin Seimann

Freie Naturschule Stadtgut Blankenfelde, Hauptstraße 24-28, Pankow, Infos zu Waldkindergärten unter: www.bundesverband-waldkinder.de

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