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Digitale Lernformate fürs Homeschooling: Pups-Checks und wildes Wissen

Die öffentlich-rechtlichen Sender und ihre Mediatheken wollen mit digitalen Lernformaten Familien beim Homeschooling helfen. Wie sinnvoll sind die Angebote?

 Alltag in Familien: Homeschooling mit Medien. Foto: Imago Images/Jochen Tack
Alltag in Familien: Homeschooling mit Medien. Foto: Imago Images/Jochen Tack

Öffentlich-rechtliche Sender punkten mit eigenen Lerninhalten

„Können wir auch noch den „Pups-Check“ gucken?“, betteln die Kinder. Die Schulen sind mal wieder zu, wie so viele Familien versuchen wir uns an der nächsten Runde Homeschooling. „Stoffe und Aggregatzustände“ sind gerade Thema im naturwissenschaftlichen Distanz-Unterricht.

Die Lehrer nutzen dafür neben Arbeitsblättern auch gern Youtube-Videos von anderen Lehrern oder einschlägige Kika-Sendungen wie die „Checker“-Filme. In denen ziehen Checker Can oder Checker Tobi los, um über Themen von Steinzeit bis Skisprung mit schlauen Leuten zu sprechen und dabei spannende Sachen zu machen wie Glas zu zerdeppern, um zu testen, wie haltbar das Zeug, äh der Stoff, ist.

Nach dem „Glascheck“ poppt als Vorschlag zum Weitergucken gleich der „Pups-Check“ auf. „Na gut, den könnt ihr euch auch noch ansehen,“ gebe ich nach. Vielleicht können sie sich so leichter merken, was ein „gasförmiger Zustand“ ist. Neben den klassischen Checker-Sendungen gibt es inzwischen auch das kürzere Online-Only-Format „CheX! Die Checker-Webshow“ mit aktuell besonders lebensnahen Themen wie „Schule – warum eigentlich?“

Sender nutzen die Dürre in der Schullandschaft für eigene Angebote

Das haben sich offenbar auch die öffentlich-rechtlichen Sender gefragt und nutzen die vielerorts anhaltende digitale Dürre in der Schullandschaft, um mit eigenen Lerninhalten zu punkten. Auf dem ARD-Bildungskanal alpha werden da ganze Vormittage Schulwissen versendet, von launigen „Mathe fürs Leben“-Kurzclips mit Wahrscheinlichkeits-Rätseln wie: „Ist Fußball berechenbar?“ bis zum halbstündigen „Telekolleg Chemie“ über Atommodelle.

WDR und SWR starten mit ihrem Lernformat „Planet Schule“ zur ziemlich utopischen Zeit von 7.20 Uhr morgens (WDR) oder gar 5.30 Uhr (SWR), bringen dafür aber umso lebensnahere Themen aus dem digitalen Alltag: Elli hat ihr selbstgedrehtes Skateboard-Video mit fremden Inhalten aufgepeppt und ins Netz gestellt. Jetzt gibt es Ärger mit den Urhebern. Anschließend wird erklärt, wie es richtig geht.

Umfangreiche Mediatheken-Reihen fürs Homeschooling

Das ZDF übernimmt das gleich im Einführungstrailer zur Mediatheken-Reihe „Terra X plus Schule“, in der Erdkunde oder Biologie-Dokumentarfilme durch erklärende Kurzclips ergänzt werden. Die Inhalte, so heißt es im Trailer, darf man downloaden, neu schneiden und für Referate nutzen – so lang alle Rechtehinweise beachtet werden. Mit dem einstigen Feind YouTube sind die Sender alle Bündnisse eingegangen: „Alpha lernen“, „Planet Schule“ oder „Terra X“ – gibt es alles auch als „YouTube“-Kanal.

Preisgekrönt: "Aktion Schulstunde" vom RBB. Foto:rbb
Preisgekrönt: „Aktion Schulstunde“ vom RBB. Foto:rbb

Auch der RBB hat sich mit seiner „Aktion Schulstunde“ große Mühe gegeben, wofür es schon den Deutschen Bildungsmedien-Preis gab. Unterrichtsmaterial zu wöchentlich wechselnden Themen ist hier abgelegt. Unter dem Motto „Wie wollen wir leben?“ dreht sich zum Beispiel alles um Nachhaltigkeit mit Fragen wie: „Soll man Plastiktüten verbieten?“ Das gezeichnete Mädchen Celia läuft etwa durch einen Supermarkt auf der Suche nach unverpackten Produkten.

Kinder sitzen den ganzen Tag vor dem Bildschirm

Inhaltlich gibt es da wenig zu meckern, hübsch aufbereitet und zeitgemäß sind all diese Sendungen. Nur: Was von all diesen Videos sollen die Kinder eigentlich gucken und vor allem: wann? Klar, wenn die Schul-Cloud einem Hackerangriff zum Opfer fallen sollte wie unlängst in Brandenburg die des Hasso-Plattner Instituts, bleibt immer noch die Möglichkeit, die Kinder einfach vor den alpha-Kanal zu setzten und zu hoffen, dass irgendwas Brauchbares für den aktuellen Schulstoff oder die Altersgruppe dabei ist.

Leichter lassen sich passende Inhalte aber über die Mediatheken finden. Hier bündeln die Sender die Angebote thematisch, grob an Schulfächern orientiert. Trotzdem verführen auch diese Clips eher zum ziellosen Anklicken und Video-Binging. Und die Kinder hängen ohnehin schon den halben Tag vorm Bildschirm bei Online-Konferenzen und Hausaufgaben, die man nur am Rechner lösen kann. Sollten sie zwischendurch nicht auch mal wieder so etwas Exotisches in die Hand nehmen wie einen Stift?

Zu viel Bildschirmglotzen überfordert Kinderaugen- und gehirne. Foto: Imago Images/Fotostand
Zu viel Bildschirmglotzen überfordert Kinderaugen- und gehirne. Foto: Imago Images/Fotostand

Vielleicht denke ich zu altmodisch. Während ich den Kindern zur Abwechslung ausgedruckte Arbeitsblätter in die Hand drücke, schnappe ich mir den Computer. Für Mittel- und Oberstufe gibt es auf der ARD-Plattform alphalernen.de ebenfalls nach Schulfächern geordnete Inhalte mit Titeln wie „Was ist Literatur?“ Eine Frage, die ich nach sechs Jahren Germanistik-Studium eher schlechter beantworten konnte als vorher. Ein Beitrag der Reihe „Grips“ will das in der Rekordzeit von 15 Minuten schaffen.

Lehrer-Moderatorin Stephanie Chita verbringt allerdings ziemlich viel Zeit damit, durch eine verregnete Landschaft zu laufen und die Schärfe einer Sense zu prüfen, das Mordinstrument in einem kultigen Kommissar Kluftinger-Krimi. Beantwortet mir das jetzt die Ausgangsfrage? Aber zugegeben: Unterhaltsam war es schon, Lust aufs Lesen macht es auch.

Clevere Charaktere als Identifikationsfiguren

Fast alle Formate arbeiten mit wiederkehrenden Identifikationsfiguren, seien es die Checker, die „Grips“-Lehrer-Moderatoren, Naturfreundin Pia, die in der Kika-Sendung „Pia und das wilde Wissen“ Wiesen nach vierblättrigen Kleeblättern absucht, die Zeitreisende Clarissa, die ebenfalls bei Kika in der Reihe „Triff…“ berühmte Menschen wie Marie Curie in ihrer jeweiligen Epoche besucht, oder auch der inzwischen 81-Jährige „Sendung mit der Maus“-Erfinder Armin Maiwald. Clevere Charaktere also, die einen leibhaftigen Lehrer, naja vielleicht nicht ersetzen können, aber bei denen man oder Kind eben gern etwas lernt.

Jetzt brauche ich aber auch dringend eine Augenpause. Zum Glück hat sich auch der Deutschlandfunk mit dem neuen Onlineportal „Genau – Wissen für zu Hause“ und Hör-Angeboten ins Schulbildungsangebot eingeklinkt. Darin geht es oft sehr alltagstauglich zu, wenn zum Beispiel erklärt wird, wie Backpulver funktioniert und was das mit Chemie zu tun hat. Oder wenn die Frage gelöst wird, wie Mathe-Muffel womöglich doch noch ihre Liebe zur Zahl entdecken.

Das geht nämlich vor allem mit: einem Lehrer, der einen für das Fach begeistert. Womit auch die Frage aus der Checker-Webshow beantwortet wäre: Dazu brauchen wir  wohl doch wieder „echte“ Schule.

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Irgendwann fällt es ganz schön schwer, die lieben Kleinen bei Laune zu halten. Berliner Institutionen und Vereine haben sich tolle Online-Angebote einfallen lassen – von Sport über Musikstunden bis Bastelsessions. Augen und Hirn brauchen auch mal Pause und Abwechselung. Wir haben die schönsten Spazierrouten für die ganze Familie zwischen Großstadt und Natur zusammengestellt.