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Elternsprecher: Ausweitung der Kampfzone

Spielplatz
Am ersten Tag haben sie noch miteinander gebuddelt, gesungen und Fangen gespielt. Doch schon während des Mittagessens am zweiten Tag klauten sie sich die Pommes vom Teller und gingen mit Gabeln aufeinander los. An den restlichen acht Tagen unseres Spanienurlaubs waren wir Erwachsenen rund um die Uhr damit beschäftigt, die vierjährigen Kampfmaschinen von tätlichen Angriffen abzuhalten. Urlaub war das nicht! Die Folge der Kinderrandale: wochenlanges Schweigen – auf Elternseite.

Kinder können Jahrzehnte gehegte und gepflegte Freundschaften beenden und sogar wildfremde Menschen gegeneinander aufhetzen. Zum Beispiel auf Spielplätzen. Da werden Schippen geklaut oder Bagger enteignet. Selber schuld, wer keine Namen auf den bunten Plastemüll schreibt. Man kann Eltern in drei große Gruppen einteilen. Die einen setzen ihr Kind in den Sand und sich selbst mit einem Buch auf die Bank. Was der Nachwuchs in den nächs­ten zwei Stunden treibt, interessiert nicht weiter. Die anderen lassen ihre Kinder ebenfalls spielen, greifen aber ein, wenn es von der Wackelbrücke zu fallen droht oder zielstrebig auf den Ausgang zusteuert. Die dritte Gruppe verliert ihre Lieblinge keinen Augenblick aus den Augen und schlichtet jede Förmchenauseinandersetzung bereits im Ansatz. Das Drama beginnt, wenn die halbstarke Dreijährige aus Gruppe zwei dem zweieinhalbjährigen Miesepeter aus Gruppe drei einen vollen Sandeimer über den Kopf stülpt. Erwachsene Menschen brüllen sich an und ringen sich zu Boden, während die Kinder längst wieder gemeinsam wippen. Wer die Ausweitung der Kampfzone umgehen möchte, sollte um Spielplätze einen weiten Bogen machen – oder abschalten und sich in einen Psycho-Thriller vertiefen (siehe Gruppe eins).


Text
: Britta Geithe
Foto: Knipseline/Pixelio


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