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Elternsprecher: Musik in Neukölln

Mittwochs in Charlottenburg: Fei­erabend. Tochter von der Schule holen. Essenspause zu Hause. Dann in die Musikschule. 45 Minuten Geigenunterricht. Abendessen. Müde. Kostenpunkt: 65 Euro im Monat (nicht verdient, zu zahlen, wohlgemerkt!). So ist das, wenn ein Bezirk seinen Bürgern ein Bildungsangebot macht. Es handelt sich um kein Luxusprogramm oder Halligalli, sondern um eine wenngleich schö­ne, so doch auch anstrengende Mehrbelastung für Kinder und Eltern, die nicht gewillt sind, Erziehung und Freizeit am Angebot von Mediamärkten und Shoppingmalls auszurichten.

Das Abgeordnetenhaus hat nun erfahren, dass solche Betätigung vornehmlich in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg- Wilmersdorf stattfindet, weil sich die Kulturämter dort bei Zeiten um entsprechende Strukturen und Angebote gekümmert haben. In Neukölln hingegen wird anscheinend weniger Geige gespielt.

Statt sich nun Gedanken darüber zu machen, wie Kinder in den sozialen Randbezirken ebenso gut wie in Steglitz betreut und motiviert werden, möchte die Politik lieber populistisch Robin Hood spielen – hier Millionenkürzungen vornehmen und es dort Dukaten regnen lassen. In fünf Jahren hat man nach der geplanten Umverteilung dann vielleicht in Neukölln die Geigen- oder Bücherdichte erhöht, dafür jedoch in Charlottenburg keine funktionierenden Musikschulen mehr. Wahrscheinlich werde ich dann mit den 130 Euro Musikschulgebühr für meine Kinder bei Ebay eine X-Box ersteigern, die am Hermannplatz keiner mehr braucht. Denn da spielen sie ja inzwischen alle Geige.

Text: Hagen Liebing

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