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Familie

Elternsprecher: Neidfaktor Opa

omaopaBerlin gleich Freiheit. Damals, als wir hierher gezogen sind, bedeutete es vor allem Freiheit von der Familie. Man studierte komische Fächer, engagierte sich in seltsamen Initiativen, experimentierte mit dem anderen Geschlecht – und niemand, der einem reinredete. Das änderte sich auch nicht, als man ruhiger wurde, selber Kinder bekam. Soll man die Kinder auf Konzerte mitnehmen oder sie lieber zu Hause hüten? Ist gutes Benehmen wichtig? Oder soll der Nachwuchs jederzeit, auch lautstark, seine eigene Meinung vertreten? Immer noch redet uns niemand in unsere Lebensführung rein. Aber: Es fühlt sich auch niemand für unsere Kinder verantwortlich. Das Kind wird plötzlich krank und muss von den Eltern vorzeitig aus der Kita abgeholt werden? Da kann man nur auf verständnisvolle Arbeitgeber und entsprechende Kollegen hoffen. Man möchte endlich mal wieder eine Nacht durchtanzen? Alles möglich – wenn man mit viel Zeitaufwand an einem unterstützenden Netzwerk gearbeitet oder das Geld für Babysitter hat. Trotzdem durchfährt einen manchmal ein Schauer von Neid. Dann, wenn Kollegen und Freunde, deren Eltern in Berlin wohnen, ganz beiläufig erzählen, dass ihre Kita-Kinder diese Woche durchgehend von den Großeltern abgeholt werden. Herrlich! Oma und Opa – von der Natur aus quasi zu Babysitterdiensten verpflichtet. Wobei man gerne verdrängt, dass viele moderne Großeltern selber große Fans von Freiheit sind: Für Enkel haben sie oft keine Zeit.

Text: Eva Apraku

Foto: Rita Köhler (pixelio.de)

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