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Foto- und Film-Workshops für Kinder im C/O Berlin

co_BerlinHandys, mit denen man jederzeit Fotos oder Filmchen aufnehmen kann, Digitalkameras mit verschiedenen Brennweiten oder gar ein teurer Camcorder: Fast jedes Mal, so erzählt Frauke Menzinger, Projektleiterin Junior von C/O Berlin, wenn bei ihnen ein Foto- oder Film-Workshop für Kinder beziehungsweise Jugendliche ansteht, erkundigt sich der Nachwuchs zuvor, ob man auch eigenes technisches Equipment mitbringen dürfe: „Wir stellen fest, dass viele Kinder in diesen Dingen recht gut ausgerüstet sind.“ Kein Wunder also, dass unter den verschiedenen, meist zweitägigen Wochenend-Kreativ-Workshops, die das international bekannte, privat betriebene Ausstellungshaus für Fotografie seit 2004 für Kinder regelmäßig anbietet, die Foto- und Film-Workshops auf der Beliebtheitsskala an oberster Stelle stehen. Wobei auch ein familiärer Einfluss hinsichtlich dieses Interesses nicht von der Hand zu weisen ist. Frauke Menzinger: „Die Workshop-Teilnehmer sind oft die Kinder unserer Ausstellungsbesucher. Und die interessieren sich nun mal für Fotografie.“ Etwa für die bei C/O Berlin in der Vergangenheit ausgestellten Modeporträts von Peter Lindbergh, für die Sensationsfotos des New Yorker Reporters Weegee oder für die hoch artifiziellen Lichtbilder des Künstlerpaares Pierre et Gilles.

Dabei, das zeigt die noch bis zum 6. Februar stattfindende Jahresausstellung „Wir zeigen‘s euch“ – sie präsentiert die Ergebnisse der verschiedenen Junior-Workshops aus dem vergangenen Jahr – kommen in den Kursen nicht nur Kameras zum Einsatz. Stattdessen setzten etwa in dem Workshop „Bild und Wort wird Buch“ 6- bis 14-jährige Kinder Stifte, Pinsel oder aufgeklebte Stofffetzen so liebevoll und einfallsreich ein, dass so mancher Buchgestalter in der Ausstellung auf Inspiration hoffen darf. Doch auch Architekturmodelle, Lampenentwürfe oder Future Fashion für das Jahr 2018 entstanden bei C/O Berlin in der Vergangenheit durch Kinderhand. Wichtigstes Ziel, so die Selbstdarstellung auf der C/O-Webseite, sei es, den Kindern die Möglichkeit zu bieten, „jenseits schulischer Standards in vielfältigen Einzelprojekten, Fotografie, Design und Architektur spielerisch kennenzulernen, ihre visuelle Wahrnehmung zu schulen und neue Anregungen kreativ umzusetzen.“ „Wir möchten einfach den kreativen Nachwuchs fördern“, drückt es Sibylle Kufus, C/O-Geschäftsführerin, noch knapper aus.

co_BerlinTatsächlich ist das Interesse an der kreativen Entwicklung des Nachwuchses seitens C/O Berlin vor allem ideeller Natur. Denn verdienen lässt sich mit den Kursen eher nichts. Schließlich werden in der Regel zwei Kursleiter zur Betreuung des Workshops abgestellt, wobei wenigstens einer der beiden in der Workshop-Disziplin ein ausgebildeter Profi ist, also Fotograf, Architekt oder Mode-Designer. Vier Tage Film-Workshop mit zwei Regisseuren, wie er bei C/O Berlin ab Ende Januar für 14- bis 17-jährige Jugendliche ansteht, kosten etwa pro Person nur 50 Euro Teilnehmergebühr. „Ohne Sponsoren könnten wir uns das nicht leisten“, sagt Sibylle Kufus. Die Teenagerkurse sind übrigens relativ neu im Junior-Programm und dem Umstand geschuldet, dass viele Workshop-Stammkinder älter geworden sind und nach größeren Herausforderungen suchen. Verändert wurde aber auch das ursprüngliche Konzept, mit den jungen Workshop-Teilnehmern Architekturbüros oder Design-Ateliers anzusteuern und dort die Kurse abzuhalten. „Wir machen das jetzt umgekehrt“, erklärt Frauke Menzinger. „Wir holen uns die Profis ins Haus.“

Stupides Stubenhocken ist aber vor allem bei den Foto- und Film-Workshops dennoch nicht angesagt. Zwar werden die jeweiligen Ausstellungen bei C/O Berlin gerne als Einstiegs-Inspirationsquelle genutzt. Zum Fotografieren beziehungsweise zum Drehen geht’s dann aber häufig raus in die Stadt. Zu Themen wie „Deine Bilder der Stadt“, „Buchstaben der Stadt – Mein Plakat!“ oder „Langsam ist schnell“ wird der Blick für vermeintliche Nebensächlichkeiten geschärft, die dann groß in Szene gesetzt werden. Damit das gut gelingt, wird das technische Equipment mitunter runtergefahren. „Wir drücken den Kindern Einwegkameras in die Hand“, erklärt Frauke Menzinger. „Weil die Anzahl der Bilder limitiert ist, schärft das die Konzentration auf das einzelne Foto.“  Bis zum 27. März, so Sibylle Kufus, wird bei den Foto-Workshops das Konzept übrigens vorübergehend leicht verändert. „Die aktuelle Ausstellung in unserem Haus werden wir mit den jungen Kursteilnehmern nicht besichtigen.“ Gezeigt werden bis Ende März 187 Bilder aus dem Gesamtwerk des verstorbenen Fotografen Robert Mapplethorpe. Dessen – neben Blüten und Künstlern – bevorzugten Motive: sehr schöne und, auch in sexueller Hinsicht, sehr nackte Menschen.

Text: Eva Apraku

Foto: Frauke Merzinger

Wir zeigen’s euch
Jahresausstellung der Junior-Workshops 2010, C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, Mitte, Mo-So 11-20 Uhr (bis 6.2.),
Tel. 26 76 27 71, www.co-berlin.com


Die nächsten Workshops:

Teens 03 . Ich und Du
Filmworkshop für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren mit den Regisseuren Ralph Etter und Sophie Narr. Produktion eines
filmisches Porträts einer nahestehenden Person, Termine: 29.+30.1. und 5.+6.2., Teilnahmegebühr: 50 Ђ

Kontraste
Modellbau-Workshop, mit Caroline Armand und Frauke Menzinger, 7 bis 9 Jahre, Termin: 19.2., Teilnahmegebühr: 28 Ђ

Wir bauen eine Lochkamera
Fotoexperimente-Workshop, mit Marc Volk und Frauke Menzinger, 8 bis 10 Jahre, 12.+13.3., Teilnahmegebühr: 40 Ђ

Fotofantasien
Foto/Illustrations-Workshop, mit Anja-Maria Eisen und Frauke Menzinger, 10 bis 13 Jahre, 26.+27.3., Teilnahmegebühr: 40 Ђ

S/W-Portraits
Fotografie-Workshop, mit Judith Metze und Sandra de Groot, 12 bis 14 Jahre, Termin: 9.+10.4., Teilnahmegebühr: 40 Ђ

Und … Action!
Fotografie-Workshop, mit Marcus Gründel und Frauke Menzinger, 10 bis 13 Jahre, 27.+28.5., Teilnahmegebühr: 40 Ђ

Mein Plakat
Design-Workshop, mit Judith Metze und Sandra de Groot, 12 bis 14 Jahre, 18.+19.6., Teilnahmegebühr: 40 Ђ

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