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Halloween macht nicht jedem Spaß

gruselschleim_halloween„Nein“, sagt Peter Lübeck, Inhaber des Delikatessengeschäftes Hülle + Fülle und Mitglied der Einzelhandels-Interessengemeinschaft Westfälische Straße e.V. In der Wilmersdorfer Einkaufsstraße sei Halloween noch kein großes Thema. „Gott sei Dank!“, entfährt es ihm dann noch. Denn die wachsende Bereitschaft von Berliner Kindern, am Abend des 31. Oktober in gruseligen Kostümen durch Straßen und Häuser zu ziehen und „Süßes oder Saures!“ einzufordern, kommt nicht bei allen gut an. „An unserem früheren Standort in der Bismarckstraße sind an Halloween oft Jugendliche aufgetaucht, die sehr massiv Geschenke eingefordert haben“, beschwert sich der Kaufmann. Wohl auch deshalb ist man in der Management-Etage des Gesundbrunnen-Centers, eines Einkaufszentrums im Wedding, froh, dass sich am Halloween-Abend nur wenige Kinder einfinden. „Manche Geschäfte werden ja regelrecht dazu gezwungen, da mitzu­machen“, findet eine Sprecherin. „Dabei sind das oft Läden, die für Kinder gar keine Produkte bereithalten. Etwa Blumenläden.“

In Sachen Halloween herrschen in Deutschland offensichtlich nicht nur große Missverständnisse. Die Bereitschaft, auf den über Amerika nach Deutschland eingewanderten keltischen Brauch einzugehen, spaltet auch die Generationen. Denn während Kinder in den vergangenen fünf bis zehn Jahren so selbstverständlich in den neuen Grusel-Kult hineinwuchsen, als handele es sich um Weihnachten oder Ostern, hadert die ältere Generation nicht nur mit dem fremden Charakter des neuen Festes. Auch die hierzulande von Anfang an starken kommerziellen Aspekte von Halloween stoßen ihr unangenehm auf: Selbst Lebensmittel-Discounter führen in diesen Tagen Gespensterkostüme oder Kürbisattrappen. Dass nicht nur mit Weihnachten oder Ostern, sondern inzwischen auch mit Halloween eine Menge Geld verdient werden kann, wissen vor allem einschlägige Firmen wie Deko-Behrendt, ein Geschäft für Dekorations- und Festartikel in Schöneberg. „Seit etwa acht Jahren verkaufen sich Halloween-Artikel jedes Jahr besser“, freut sich eine Mitarbeiterin. „Ungefähr zwei Wochen vor dem 31. Oktober ist der Andrang in unserem Laden so groß, dass wir den Publikumsverkehr nur noch mithilfe von Türstehern regeln können.“

Auf der Strecke bleibt bei dem Run auf den Kult allerdings das Wissen um Herkunft und Sinn von Halloween. „Über den keltischen Hintergrund wissen die Kinder nichts“, gesteht selbst die Deko-Behrendt-Mitarbeiterin. Und im Unterschied zu Weihnachten, Ostern, Nikolaus oder Sankt Martin, dessen christliche Details den meisten Eltern bekannt sein dürften, wissen die Großen in Sachen Halloween kaum mehr als die Kleinen – vielleicht rührt daher auch das Unbehagen an dem Kult. Wer allerdings miterlebt hat, mit welcher Begeisterung sich Kinder zu Halloween verkleiden und grüppchenweise um die Häuser ziehen, dem sind die Authentizität und Verwurzelung des Brauches in heimische Traditionen ohnehin letztlich wurscht.

Text: Eva Apraku

Foto: Exploratorium Potsdam

TERMINE:

Burg-Geister-Party
Große Grusel-Party für Hexen, Zauberer und Geister aller Art. Mit Bühnenprogramm, Hexentanz und Feuerzauber. Zitadelle (Innenhof), Am Juliusturm 64, Spandau, Mo 31.10., 17–23 Uhr, Tel. 334 21 06,
Eintritt: 4,50?/?2?Ђ (Kinder bis 12 Jahre: 1?Ђ), www.zitadelle-spandau.de

Halloween-Historie
Am 31.10. lädt die Domäne Dahlem zu einer Kinder-Werkstatt mit Kürbis- und Rübenschnitzen ein. Während die Kinder für ein möglichst gruseliges Gemüse­antlitz sorgen, erfahren sie Wissens­wertes über die kulturellen Hintergründe von Halloween. Domäne Dahlem, Königin-Luise-Straße 49, Dahlem, Mo 31.10., 15–18 Uhr (je ca. 1 Std.), Teilnahmegebühr (inkl. Material): 8?Ђ, Info und Anmeldung unter Tel. 0163-371 47 07

Grusel im Grünen
Kürbisschnitzen, Kasperletheater, Grusel-Lesungen oder ein botanisches Gruselkabinett mit Rallye stehen zu Halloween auf dem Programm des Botanischen Gartens. Botanischer Garten, Eingänge: Königin-Luise-Platz + Unter den Eichen, Dahlem, So 30.10., 11–18 Uhr, Eintritt: 6?/?3 Ђ, Familienkarten: 12?/?7 Ђ, www.bgbm.de/halloween/

Gespenstische Wege
Zu Halloween verwandelt sich der Tierpark Berlin in einen mysteriösen Ort mit gespenstischen Führungen. Schloss Friedrichsfelde wird zum Gruselschloss. Tierpark Berlin, Am Tierpark 125, Friedrichsfelde, Mo 31.10., ab 15 Uhr, alle kostümierten Kinder haben freien Eintritt, Kinder ohne Kostüm: 4 Ђ, Erwachsene: 8 Ђ, www.zoo-berlin.de

Mutmachermonster
In den Werkstätten des FEZ kann Halloween-Zubehör, wie Zauberstäbe, Besen, Fledermäuse oder Hexenhüte, selbst gebastelt werden. Beim Hexentraining übt man Springen und Besenflug. Zum Abschluss des Tages präsentiert sich die
Gruselwelt beim großen Umzug und beim Tanz ums Feuer. FEZ Berlin, Straße zum FEZ 2, Oberschöneweide, Sa 29.10., 13–19 Uhr, So 30.10., 12–18 Uhr, Eintritt: 2?/?1,50 Ђ, Familienticket: 6,50 Ђ, www.fez-berlin.de

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