Familie

Hörstörungen bei Kindern

Gehörschäden_BettyMyllertip Welche Lautstärke ist denn für Kinderohren gefährlich?
Manfred Gross Für Erwachsene und Kinder gilt gleichermaßen ein Grenzwert von 80 bis 85 Dezibel. Das entspricht zum Beispiel der Lärmbelastung durch starken innerstädtischen Straßenverkehr.

tip Ist bereits eine kurze Lärmbelastung schädlich?
Gross Grundsätzlich ja. Mit zunehmender Lautstärke wird die maximale wöchentliche Schalleinwirkzeit, ohne die eine Schädigung eintritt, immer kürzer. So beträgt die maximale Zeit, in der eine Bohrmaschine mit einer Lautstärke von 110 Dezibel voraussichtlich noch ohne Hörschädigung ertragen werden kann, nur sieben Minuten. Musikkonzerte mit 115 Dezibel oder noch höherer Lautstärke können in noch kürzerer Zeit bereits zu einer bleibenden Schädigung des Gehörs führen. Einmal geschädigte Zellen des Innenohres können sich nicht mehr erholen.

tip Welche Folgen hat zu starker Lärm bei Kindern?
Gross Typische Schädigungen sind meist ein Hörverlust für hohe Töne: bei ogelgezwitscher oder Türklingeln. Einige Sprachlaute können dann nicht mehr korrekt verstanden werden. Auch fällt es dann zunehmend schwer, einem Gespräch bei Störgeräuschen, zum Beispiel in einer größeren Gesellschaft, zu folgen. Typisch sind auch Ohrgeräusche: ein hoher Pfeifton oder ein Klingeln im Ohr, der sogenannte Tinnitus. Spezielle Messungen bei Kindern haben gezeigt, dass Sechsjährige sehr hohe Töne noch deutlich besser hören als 20-Jährige.

tip Wie kann ich mein Kind schützen?
Gross Es sollte möglichst weit von der Lautsprecheranlage entfernt bleiben und
gegebenenfalls Ohrstöpsel tragen, wie das sehr viele Musiker auch tun. Und Diskobesuche muss man unbedingt zeitlich begrenzen.

Professor Manfred Gross lehrt und arbeitet an der Klinik für Audiologie und Phoniatrie des ChariteUniversitätsklinikums Benjamin Franklin. Der wissenschaftliche Schwerpunkt des Hals-Nasen-Ohren-Arztes liegt in der Frühdiagnostik und Therapie von Hörstörungen bei Kindern.
www.charite.de

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