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Immer mehr Nachfrage nach Privatschulen

tip Das Angebot an privaten Schulen ist in den letzten Jahren stark gewachsen – von Elterninitiativen bis zu teuren Phorms-Schulen. Warum?
Christian Füller Viele Eltern sind unzufrieden mit dem Angebot an staatlichen Schulen. Das heißt nicht, dass alle staatlichen Schulen schlecht sind. Aber wenn Sie als Vater oder Mutter mit der Schule Ihrer Kinder unzufrieden sind, dann müssten Sie unter Umständen zehn oder fünfzehn Jahre warten, bis sich etwas bewegt. Das kann man niemandem zumuten. Daher sind Privatschulen eine wichtige Alternative.

tip Eine Alternative, die sich gut betuchte Eltern leisten?
Füller Bei der Diskussion um Privatschulen geht man fälschlicherweise davon aus, dass sie immer so viel kosten wie etwa die Phorms-Schulen, die bis zu 1200 Euro Schulgeld pro Monat verlangen. Dabei ist das Schulgeld der meisten Privatschulen deutlich geringer. Sie kosten oft nur zwischen 50 und 150 Euro pro Monat, ein großer Teil der 550.000 deutschen Privatschüler zahlt nichts.

tip Wer Kinder an staatlichen Schulen hat, kommt praktisch kaum noch ohne zusätzliche private Nachhilfe aus. Wie ist das an Privatschulen?
Füller Der Nachfrage-Boom bei privater Nachhilfe zeigt, dass das staatliche Schulsystem stellenweise versagt. Das merken auch die Eltern, die sich notgedrungen privat um die Förderung ihrer Kinder kümmern. An Privatschulen werden sofort Fördergruppen eingerichtet, wenn die Eltern das fordern. Eltern sind dort keine Bittsteller.

tip Worin besteht die inhaltliche Alternative der Privatschulen?
Füller Privatschulen haben oft eine Reformorientierung. Diese Schulen sagen: Ich nehme den Schüler so, wie er ist. Jedes Kind, das an diesen Schulen ankommt, ist das richtige Kind, das zum Ziel kommen soll. Das ist ein Anspruch, den viele staatliche Schulen noch nicht haben. Dort heißt es oft: Wer nicht mitkommt, muss gehen. Außerdem sind die privaten Schulen beim Lernen oft experimentierfreudiger als staatliche Schulen. Privatschulen sind häufig sehr demokratisch organisiert, sind Elterninitiativschulen, Waldorfschulen oder Reformschulen, bei denen die Eltern als Kunden auch große Rechte besitzen.

tip Warum dauert es so lange, bis eine staatliche Schule sich verändert?
Füller In staatlichen Schulen arbeitet eine Lehrerschaft, in der sich manchmal 30 bis 40 Prozent innerlich von ihrem Beruf verabschiedet haben. In diesen Schulen existiert eine Blockademacht von Leuten, die in drei, vier Jahren in den Ruhestand gehen werden – die sind oft nicht mehr zu Veränderungen bereit. Die privaten Schulen hingegen können sich ihre Lehrer aussuchen. Außerdem können sie ihr Schulkonzept freier gestalten und ihr Geld selbst verwalten. Das ist ein großer Vorteil. Rektoren von staatlichen Schulen hingegen sagen gerne mal: Das darf ich nicht, das kann ich nicht, das will ich nicht. 

Interview: Eva Apraku
Foto: Wolfgang Borrs

Christian Füller: Ausweg Privatschulen? Was sie besser können, woran sie scheitern, edition Körber-Stiftung,
Hamburg 2010, 16 Ђ

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