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Katrin Hahnemann über ihre kindgerechte Jane Goodall-Biographie

hahnemanntip: Sie haben Biografien über Charles Darwin, Mahatma Ghandi, Martin Luther King und jetzt Jane Goodall gezielt für Kinder geschrieben. Wie kam es dazu?

Katrin Hahnemann: Eigentlich komme ich vom Theater, habe Regie und Regie-Assistenz gemacht. Mit Kindern — ich habe drei — war das aber so nicht mehr möglich, weshalb ich angefangen hatte, im Kinderbuchbereich zu arbeiten, Rezensionen für eine Fachzeitschrift zu schreiben. Dabei fiel mir auf, dass es in Deutschland kaum Biografien für Kinder gibt. In Amerika ist das anders, da gibt es schon fürs Bilderbuchalter Biografien. Zwar ändert sich das jetzt auch in Deutschland. Aber als ich vor sechs Jahren die erste Biografie für Kinder ab acht Jahren geschrieben habe, war für diese Zielgruppe noch nicht viel da.

tip: Was ist an Biografien so interessant?

Hahnemann: Ich bin überzeugt davon, dass Kinder Vorbilder brauchen. Und zwar nicht nur solche, die für sich selber kämpfen, die etwa durch Casting-Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt werden, sondern Vorbilder, die für eine Sache kämpfen. Anhand von Mahatma Ghandi kann man Kindern etwa zeigen, dass man für etwas kämpfen kann, ohne Gewalt anzuwenden. Und über Charles Darwin kann man lernen, dass sich Beharrlichkeit lohnt: Über 20 Jahre hat er Forschungen betrieben, die dem damaligen Weltbild völlig widersprochen haben. Bis er genug Beweise hatte, dass seine Theorie von der Evolution stimmt. Martin Luther King wiederum zeigt den Menschen, dass man gegen die Fremdbewertung, man sei weniger wert, erfolgreich aufbegehren kann. Und Jane Goodall hat sich nicht nur getraut, alleine in den afrikanischen Dschungel zu den Schimpansen zu gehen. Sie hatte auch keine entsprechende wissenschaftliche Vorbildung, kam trotzdem zu bahnbrechenden Erkenntnissen.

tip: Verstehen ab achtjährige Kinder die oft schwierigen geschichtlichen oder wissenschaftlichen Zusammenhänge in diesen Biografien?

Hahnemann: Ich denke ja. Wichtig ist jedoch, dass man den Erfahrungshorizont der Kinder mit einbezieht. Bei Martin Luther King beschreibe ich zum Beispiel, wie es war, wenn ein schwarzes Kind Eis kaufen wollte: Dass es den Laden immer nur durch den Seiteneingang betreten durfte und für sein Geld nicht die Eissorte bekam, die es wollte, sondern nur die, von der noch am meisten da war. Kinder verstehen dann sehr schnell, wie ungerecht das ist. Die brutalen Exzesse des afro-amerikanischen Freiheitskampfes dagegen deute ich nur an und schildere sie nicht in ihrer ganzen Grausamkeit.

tip: Bekommen Sie von Kindern manchmal ­Vorschläge, über wen sie noch Biografien ­schreiben könnten?

Hahnemann: Das passiert schon mal. Wenn die Kinder ­Leute vorschlagen, dann sind das oft ­Pop-Stars wie Justin Bieber, Michael Jackson oder ­berühmte Fußballer. Aber neulich wurden beispielsweise auch Nelson Mandela und ­Florence Nightingale vorgeschlagen.

Interview: Eva Apraku

Jane Goodall. Wer ist das? Berlin Verlag, Berlin 2011, 112 Seiten, Hardcover, 12,90 Ђ

Mahatma Ghandi. Wer ist das? Berlin Verlag, Berlin 2008, 104 Seiten, Hardcover, 12,90 Ђ

Charles Darwin. Wer ist das? Berlin Verlag, Berlin 2009, 112 Seiten, Hardcover, 12,90 Ђ

Martin Luther King. Wer ist das? Berlin Verlag, Berlin 2010, 104 Seiten, Hardcover, 12,90 Ђ

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