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Familie

Berliner Kids und ihre Vereine

Die eine malträtiert in ihrem Box-Klub einen Sandsack mit Hieben. Der andere büffelt bei der Jugendfeuerwehr technische Details von Löschfahrzeugen. Die Dritte schult ihre Stimme in einem Chor – Hobbys, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Dennoch eint alle Kinder, dass es jeweils Vereine sind, die den Rahmen für ihre Freizeitbeschäftigungen abgeben. Wer Vereinsmeierei für eine biedere Haltung von gestern hält, der hat nicht die Begeisterung von Kindern erlebt, wenn sie, umgeben von Gleichaltrigen und Gleichgesinnten, mit erstaunlicher Energie und Beharrlichkeit ihrer Lieblingsbeschäftigung in ihrem Klub nachgehen. Denn statt wie häufig in der Schule auf Zwang, appellieren die Vereine an die Lust auf Sport, Kultur oder soziales Engagement.

Hilal_AkinHilвl Akin, 11 Jahre alt, ist Kapitän in ihrer Boxgruppe bei Isigym
Im Isigym-Boxverein bin ich erst seit einem Monat, aber ich wollte schon seit zwei Jahren boxen. Boxen habe ich durchs Fernsehen kennengelernt, da habe ich mir Kämpfe angeguckt. Und weil mein großer Cousin bei Isigym boxt, habe ich ihn gefragt, ob ich auch hierher kommen könnte. Meine ganze Familie findet es toll, dass ich im Boxverein bin, obwohl wir eigentlich keine „Boxerfamilie“ sind. Ich selber mag am Boxen, dass man irgendwann mal richtig kämpfen kann. Bevor ich mit dem Boxen angefangen habe, war ich beim Schwimmen, das fand ich dann aber langweilig. An meinem ersten Tag im Box-Verein hat Isi, un-ser Trainer, gesagt, dass ich Kapitän sein solle. Ich war damals das einzige Mädchen in unserer Gruppe, und er wollte, dass die anderen Respekt vor mir haben. Außerdem findet Isi, dass ich sehr gut boxe. Vor kurzem ist noch ein Mädchen dazugekommen, die kenne ich aber noch nicht so gut. Die Jungs sind alle sehr nett, und auch das Training selber macht viel Spaß. Nur die Liegestützen finde ich unheimlich anstrengend.

Leonhard_GerhardsLeonhard Gerhards, 15, ist U15-Nationalspieler beim Cricket-Club
Mein Vater ist Engländer, außerdem wohnt die Hälfte unserer Familie in Australien. Dort fliegen wir manchmal hin, und dort habe ich auch mit meinen Cousins mit dem Cricketspielen angefangen. Im Cricket-Club bin ich jetzt seit drei oder vier Jahren. In einem Team sind immer elf Leute. Bei uns kommen die aus ganz verschiedenen Ländern. Wir haben Deutsche, Australier, Neuseeländer, Inder oder Pakistanis. Ich möchte später mal Profi-Cricketspieler werden, zur Zeit bin ich U15-Nationalspieler und nehme manchmal an entsprechenden Lehrgängen teil. Außerdem trainiere ich noch beim Stragglers Cricket Club Berlin. Der ist aber eher für Anfänger und jüngere Leute. Beim Berlin Cricket Club bin ich der jüngste Spieler, die anderen sind etwa 20 bis 50 Jahre alt. Manchmal ist das zwar ein bisschen komisch. Dafür haben die anderen viel Cricket-Erfahrung, wovon ich profitiere. Derzeit spielen wir nur gegen Clubs aus Berlin und Dresden. Ab nächste Saison gibt es vielleicht eine Bundesliga.

Juliane_Engelke_Johann_RachsteinJohann Rachstein, 8 Jahre und Juliane Engelke, 8 Jahre, tanzen als Paar beim Tanzsportclub Grün-Gold

Johann
: Früher war ich mal beim Schwimmen, aber da hat’s mir nicht so gut gefallen. Beim Tanzen gefällt mir, dass man das zu Musik macht. Ich mag Musik. Mit Juliane trainiere ich viermal die Woche. Zweimal mit Trainer und zweimal ohne. Wir waren auch schon bei Turnieren, haben da getanzt. Mit Juliane treffe ich mich auch manchmal nur so zum Spielen. Wir spielen dann Fangen oder Verstecken. In der Schule habe ich einmal vorgetanzt, da haben meine Klassenkameraden gestaunt und fanden das ganz toll.

Juliane
: Ich tanze auch schon seit zwei Jahren. Meine Mutter hat den Verein für mich gefunden, und weil es mir gut gefallen hat, bin ich hiergeblieben. Ganz am Anfang hatte ich schon mal mit Johann getanzt. Dann habe ich einen anderen Partner bekommen, der hier im Verein aber aufgehört hat. Als dann bei Johann auch die Partnerin weggegangen ist, haben wir beide wieder zusammen getanzt.

Protokolle: Eva Apraku
Fotos: Betty Mylle, Jens Berger

Weitere Protokolle lesen Sie in tip 18/09, ab Seite 28

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