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Im Tierheim Berlin lesen Kinder Katzen vor – wir erklären, warum

Im Tierheim Berlin lesen Kinder Katzen vor. Ja, genau: Sie setzen sich zu den Tieren und lesen fröhlich Geschichten vor. Nun mag man das schnell für die nächste Verhaltensauffälligkeit einer Gesellschaft halten, der es schlicht zu gut geht. Tatsächlich geht es aber um ein bisschen mehr als um Beschäftigungstherapie kleiner Torbens und Meritas. Das Projekt „Kinder lesen Katzen vor“ ist auch für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Bis zu 30 Kinder können im Tierheim Katzen vorlesen. Nach zehn Besuchen gibt es eine Urkunde. Foto: Tierheim Berlin

Katzen vorlesen: Idee zur Leseförderung für Kinder stammt aus den USA

Warum also sitzen, nach einer längeren Pause, nun wieder regelmäßig Kinder mit Tierheim-Katzen zusammen, um diesen vorzulesen? Es geht um den Lerneffekt: Viele Leseanfänger:innen und generell junge Menschen tun sich schwer damit, flüssig zu lesen. Dies verschärft sich oft unter Druck – wenn die Eltern zuhören, die Lehrkräfte, eben andere Menschen. Daher der Gedanke: Wenn sie Katzen vorlesen, sind sie weniger aufgeregt. Und erzielen Lernerfolge.

Die Idee kommt aus den USA, dort laufen derartige Projekte schon länger. Annette Rost, die beim Tierschutzverein für Berlin, der unter anderem das Tierheim führt, für Marketing und Fundraising zuständig ist, hatte davon gelesen. „Wir haben das dann im August 2019 an den Start gebracht. Und seitdem festgestellt, dass die Kinder ihre Vorlesekompetenzen deutlich verbessert haben“, so Rost. Viele würden plötzlich auch daheim lesen, „die Eltern spiegeln uns, dass sich die Kinder konzentriert hinsetzen und üben.“

Auch die Katzen profitieren von dem Vorleseprojekt im Tierheim

Dabei, das erklärt eine Sprecherin des Tierheims, geht es nicht ausschließlich um die Lesekompetenz, sondern auch um das Wohlergehen der Katzen. Studien haben gezeigt, dass rhythmische Stimmen auf Katzen beruhigend wirken. Die Tiere bleiben durch das Vorlesen zudem an Menschen gewöhnt – oder fassen wieder Vertrauen. „Oft haben sich die Vermittlungschancen erhöht“, sagt Rost. Die Katzen würden es sehr genießen, wenn jemand da sitzt und ihnen vorliest. „Zudem finden wir heraus, ob aufgenommene Tiere überhaupt mit Kindern klarkommen – etwas, was wir sonst nur sehr schwer vorab vollumfänglich herausfinden können.“

Vorteile für Kinder und Katzen: Das Leseprojekt im Tierheim ist auch für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Foto: Tierheim Berlin

Das Projekt „Kinder lesen Katzen vor“ des Tierschutzvereins für Berlin ist im Rennen um den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises 2021. Bis 20. Oktober kann man für die verschiedenen Nominierten hier abstimmen. Den „Primus des Jahres“ 2021 der Stiftung Bildung und Gesellschaft gewann der Tierschutzverein bereits.

  • Lesezeiten sind immer mittwochs und donnerstags zwischen 13 und 16 Uhr für je 30 Minuten. Teilnehmende Kinder bekommen jeweils eine Zehnerkarte, die für einen unbegrenzten Zeitraum Gültigkeit hat. Nach jedem Termin gibt es einen Pfötchen-Stempel auf die Karte, nach zehn absolvierten Terminen erhält das Kind eine Urkunde zur Erinnerung. Einzeltermine sind nicht möglich. Es gibt 25 bis 30 Plätze, derzeit sind davon noch einige frei. Mehr Infos und ein Anmeldeformular findet ihr hier. Das Tierheim befindet sich am Hausvaterweg 39 in Falkenberg, einem Ortsteil von Lichtenberg.

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Katzen zum Vorlesen findet man im Tierheim, wilde Tiere hingegen überall in Berlin: Wo ihr sie beobachten könnt, lest ihr hier. So süß – und so problematisch: Was man über Waschbären in Berlin wissen muss. Und welches Buch sollte man der Katze vorlesen? Am besten einen der 100 Berlin-Romane, die man gelesen haben muss.

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