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Kinderärzte dürfen Theater auf Rezept verschreiben

Ben war mit seinen Eltern schon öfter im Theater, aber heute sitzt sein Freund Max neben ihm, und der war noch nie dort. Die beiden Jungs rutschen aufgeregt hin und her. „Hoffentlich fangen die bald an!“, sagt Ben und schielt zu seinem Freund Max. Ben hat von seiner Kinderärztin fürs tolle Mitmachen einen Gutschein fürs Grips-Theater bekommen und konnte damit sogar noch einen Freund mitnehmen. Plötzlich geht das Licht aus und das Stück beginnt. Das Kulturprojekt „Theater auf Rezept“ ist durch die finanzielle Unterstützung der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) möglich, kommt aber allen Kindern und Jugendlichen zugute. „Es geht nicht nur darum, den Körper gesund zu erhalten, sondern auch ein Augenmerk auf die Förderung geistiger und seelischer Gesundheit zu legen. Gerade im Kindes- und Jugendalter ist das besonders wichtig. Kulturelle Erlebnisse können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten“, so Mathias Sebbesse, Regionalgeschäftsführer bei der SBK. Durch das Verschenken der Theaterkarten in den Kinder- und Jugendarztpraxen soll außerdem ein Anreiz geschaffen werden, die wichtigen Untersuchungen U10 (7 bis 8 Jahre), U11 (9 bis 10 Jahre) und J1 (12 bis 14 Jahre) überhaupt wahrzunehmen.

Diese drei Vorsorgeuntersuchungen sind zwar in Berlin und einigen anderen Bundesländern nicht verpflichtend, werden aber vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte empfohlen und mittlerweile auch von den meisten Krankenkassen erstattet. „Wir warnen seit vielen Jahren vor den Folgen einer schleichenden Bildungsverelendung der Kinder und Jugendlichen, die durch mangelnde Anregung in den Familien, durch übermäßigen Fernseh- und Spielkonsolenkonsum entsteht. Mit einem Projekt wie ,Theater auf Rezept‘ können wir Ärzte Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Milieus die Chance geben, kostenlos eine Kultureinrichtung kennenzulernen“, sagt Dr. Ulrich Fegeler, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Wenn man Kindern Essen und Trinken vorenthält, sterben sie. Wenn man ihnen Kultur vorenthält, verkümmern Herz und Seele“, erklärt Stefan Fischer-Fels, einer der Initiatoren des Projekts und Künstlerischer Leiter des Grips-Theaters.
In der Pause ist Max ganz begeistert. „Ey Ben, hast du gesehen, wie nah der eine Schauspieler an uns dran war. Ich habe richtig gemerkt, wie sauer der war!“ Willkommen in der Welt des Theaters, in der sich echte Menschen bewegen und sprechen, in der man als Zuschauer Trauer, Freude, Wut oder Glück unmittelbar zu spüren bekommt. Max jedenfalls ist auf den Geschmack gekommen, der Theatervirus ist auf ihn übergesprungen: „Meine Mama soll auch mit mir zum Kinderarzt gehen, dann bekomme ich auch einen Gutschein, und dann kann ich ja Ben ins Theater einladen.“ 

Text: Diana Doko

Foto: Vanessa Nieberding/ Grips Theater


Gebrauchsanweisung
Jedem Kind oder Jugendlichen kann vom Kinderarzt nach absolvierten Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 oder J1 unabhängig von der eigenen Krankenversicherung ein Gutschein für einen Theaterbesuch im Grips-Theater verschrieben werden. Der
Gutschein gilt auch für eine Begleitperson. Gültig ist der Gutschein erst mit dem Datum und dem Stempel des Arztes, eingelöst werden muss er im Grips-Theater dann innerhalb eines Jahres.
Spielplan unter: www.grips-theater.de,
rechtzeitige Kartenreservierung unter Tel. 39 74 74 77 (täglich 12–18 Uhr) wird empfohlen

Kinder- und Jugend-Vorsorgeuntersuchungen
Vorsorgeuntersuchungen sind in Deutschland von der Geburt eines Kindes bis zu seinem 18. Lebensjahr vorgesehen. Damit sollen frühzeitig Schäden und Fehlentwicklungen erkannt werden, damit sie umgehend therapiert werden können. Vorsorgeuntersuchungen, die mit einem „U“ gekennzeichnet sind, gelten für Kinder, die mit einem „J“ ekennzeichneten für Jugendliche. Im ersten Lebensjahr ist diese Art der Prophylaxe (U1 bis U6) sehr engmaschig geplant, von der U7 bis zur U9 ist ein jährlicher Check vorgesehen. Alle Krankenkassen übernehmen bis einschließlich der U9 die Kosten.

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