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Kinder- und Jugendtheater in Berlin: Die neue Saison macht mobil

Mehr noch als die Theater für Erwachsene stehen die Kinder- und Jugendtheater zur Saison 2020/2021 unter Corona-Bedingungen vor neuen Herausforderungen. Viele wollen deshalb nun mobiler werden. tipBerlin gibt einen Überblick: Welche Stücke in den Kindertheatern laufen, was Berlins Jugendtheater für Hygienekonzepte entwickelt haben – und welche Sorgen die Kulturschaffenden sich machen.

Kinder- und Jugendtheater in Berlin: Bei "Klasse Glück" verschwinden im Theater Strahl nicht nur Mund und Nase, sondern ganze Gesichter hinter Masken. Foto: Jörg Metzner
Kinder- und Jugendtheater in Berlin: Bei „Klasse Glück“ verschwinden im Theater Strahl nicht nur Mund und Nase, sondern ganze Gesichter hinter Masken. Foto: Jörg Metzner

Als im März die Vorhänge fielen und sich die Theatertüren schlossen, wusste lange niemand, wann sie sich wieder öffnen – und was für eine Bühne unter Pandemie-Bedingungen man dahinter finden würde. Im Sommer haben viele Bühnen – wie das Theater Strahl oder die Parkaue – Freiflächen für Open-Air-Bühnen aktiviert, das Atze Theater zog auch mit Kiezkonzerten durch die Bezirke. Aber was passiert, wenn der Herbst mit kühleren Temperaturen kommt?

Sorgfältig ausgearbeitete Hygienekonzepte können die Theater immerhin vorweisen. Und auch das Engagement stimmt nach wie vor: „Wir sehen uns als Verbündete von Kindern und Jugendlichen, die in unserer Gesellschaft – wie Corona gerade zeigt – keine starke Lobby haben“, sagt etwa Dorothea Lübbe, Teil des künstlerische Leitungsteams am Theater an der Parkaue. „Das Motto muss einfach lauten: Jede Begegnung ist wertvoll, auch im kleinen Rahmen.“

Der aktuelle Fokus liegt auf generationsübergreifenden Stücken

Die extreme ­Zuschauerbegrenzung, die schon für die übrige Theaterlandschaft eine Herausforderung darstellt, wird aber im Kinder- und Jugendtheater, das auch von Besuchen durch Schulklassen und Kitagruppen lebt, existenz­bedrohend. „Wir haben uns daher zunächst auf unsere generationenübergreifenden Stücke wie die Maskenstücke konzentriert und spielen mehr als früher für Familien am Wochenende“, sagt Wolfgang Stüßel, Leiter des Theater Strahl.

Alle Theater berichten, dass die üblichen Vorbuchungen durch Schulen und Kitas in dieser Saison nur sehr schleppend anlaufen. „Ein weiteres Problem ist, dass im Kinder- und Jugendtheaterbereich so viel über Vorbestellungen läuft“, sagt Thomas Sutter, Leiter des Atze Theaters. Kommt die Klasse nicht, werden auch die Tickets nicht bezahlt. Sein Haus hat als Musiktheater mit Gesangs- und auch einigen Orchesterstücken besonders hart mit den Auflagen für das Geschehen auf der Bühne zu kämpfen.

Auch das Grips-Theater muss seit 34 Jahren mit seinem Kult-Musical „Linie 1“ zum ­ersten Mal pausieren. Bei Atze steht nun ­immerhin mit „No Planet B“ im Oktober eine Corona-kompatible Premiere an, in der das Theater erstmalig mit zwei jugendlichen Darstellern zusammenarbeitet.

Kinder und Jugendtheater in Berlin berichten von Sorgen – und Elan

An der Parkaue begegnet man dem Problem, dass Schulklassen möglicherweise nicht kommen, wenn BVG-Fahrten zurückzulegen sind, mit mobilen Konzepten: Bestimmte Inszenierungen können die Schulklassen dann buchen. Für die große Bühne ist mit „Der Domino-Effekt“ ein Theater-Parcours geplant, bei dem die Zuschauer mit Mundschutz durchs Haus geführt werden.

Auch wenn sich die Theater die größte Mühe mit ihren Hygienekonzepten geben: Hält sich das oft als unberechenbar geltende junge Publikum auch an die Regeln? Im Theater Strahl konnte man erste Erfahrungen mit einem jugendlichen Publikum bereits im Juni bei einem Gastspiel des neuen Masken-Stücks „Klasse Glück“ in Duisburg ­machen, als in Berlin noch nicht gespielt werden durfte. „Die Jugendlichen sind alle sehr verantwortungsvoll und diszipliniert mit den Regeln umgegangen“, sagt Wolfgang Stüßel, „Alles andere würde ja auch bedeuten, dass man womöglich die Aufführung hätte abbrechen müssen.“

Vorstellungen vor einer Handvoll Zuschauern

Besonders hart ist die Lage für kleinere Theater, die unter Corona-Bedingungen nur etwa fünf bis 15 Zuschauer pro Vorstellung einlassen können. Gerade sie haben oft auch eine enge Vernetzung mit den Kitas und Schulen in ihren Kiezen.

„Wir wollen unbedingt wieder in Kontakt mit unserem Publikum treten“, sagt Dagmar Domrös, künstlerische Leiterin am Theater o.N. und Vorstandsmitglied im LAFT (Landesverband freie darstellende Künste Berlin e.V.). Zwar wurden im Eiltempo Nottöpfe von der ­Senatsverwaltung für Kultur aufgemacht, die auch jenen Theatern helfen sollen, die bisher durch die Förderraster fielen, wie etwa das Theater Jaro oder das Theater Morgenstern. „Aber auch langfristig wäre wichtig, kulturpolitisch zu überlegen, wie den Theatern der Spielbetrieb auch bei stark reduzierten Zuschauerkapazitäten finanziell ermöglicht werden kann“, sagt Dagmar Domrös.

Bei aller Sorge gibt es aber auch viel Elan, endlich lang gehegte Ideen umzusetzen. So startet die Parkaue ihr generationenübergreifendes Community Theater, das Theater Strahl experimentiert mit neuen digitalen Formen und alle überlegen: Wenn die Zuschauer nicht zu uns kommen – wie kommen wir am besten zu ihnen?


  • Theater an der Parkaue, Parkaue 29, 10367 Berlin, 12.9., 17 Uhr, Auftakt des Community Theaters mit einem Community Dinner, 20.9., 16 Uhr, Premiere: „Der Domino-Effekt“, www.parkaue.de
  • Theater Strahl, Martin-Luther-Straße 77, 10825 Berlin, 17.9., 11 Uhr, öffentliche Probe, 22.9., 19.30 Premiere: „Forever Yours. Oder die Leiden des jungen Werther“, 27.10., 19.30 Uhr, Premiere: „Klasse Glück“, www.theater-strahl.de
  • Atze Musiktheater, Luxemburger Str. 20, 13353 Berlin, 3.+4.10., 15 Uhr, Premiere „No Planet B“, www.atzeberlin.de
  • Grips Theater, Altonaer Str. 22, 10557 Berlin, 5.9., 16 Uhr, Premiere: „Das Leben ist ein Wunschkonzert“, www.grips-theater.de
  • Theater o.N., Kollwitzstraße 53, 10405 Berlin, 5.9., 16 Uhr; „Steinsuppe“, 6.9., 15 & 17 Uhr „Die Nachtigall“, www.theater-on.de
  • Theater Jaro, Schlangenbader Str. 30, 14197 Berlin, 5.+6.9., 16 Uhr„Der Seehund, der die Nixe austrickste“, www.theater-jaro.de
  • Theater Morgenstern, Rheinstraße 1, 12159 Berlin, www.theater-morgenstern.de

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